Kompetenzmodelle

 

(= K.) [engl. competence models], [DIA, PÄD], bilden die Grundlage zur Erfassung und empirischen Analyse von Kompetenzen. Kompetenzniveaumodelle dienen der Spezifizierung von Fähigkeiten, über die ein Pb verfügt: Das Schwierigkeitsniveau von Aufgaben, das von dem Pb gerade eben noch erfolgreich bewältigt werden kann, wird zur Charakterisierung der Kompetenzausprägung herangezogen. Hierbei gelten Modellierungen nach den Annahmen der Item-Response-Theorie (IRT) als optimale Grundlage. Mittels der IRT werden Aufgaben bestimmt, die sich auf derselben Dimension anordnen lassen (Eindimensionalität), sodass begründet davon ausgegangen werden kann, dass alle Aufgaben dieselbe latente Fähigkeit (Kompetenz) erfassen. Für jeden Pb kann nach Bearbeitung der Aufgaben eine quantitative Kompetenzausprägung bestimmt werden, die ihr Leistungsniveau repräsentiert. Aufgrund der zugrunde liegenden IRT-Modellierung kann für jede Kompetenzausprägung angegeben werden, welche Aufgabenschwierigkeiten unter- bzw. oberhalb des Fähigkeitsniveaus des Pb liegen. Anders als bei normorientiertem Testen, bei dem bestimmt wird, wie die Leistung eines Pb relativ zu anderen Populationsmitgliedern einzuordnen ist (Normierung), erlaubt diese Vorgehensweise eine kriteriumsorientierte Interpretation der Kompetenzschätzung: es kann angegeben werden, welche Aufgaben bzw. Leistungsanforderungen das Kompetenzniveau repräsentieren. Dies ist insbes. dann vorteilhaft, wenn aufgrund der Testbefunde abgeleitet werden soll, welcher indiv. Kompetenzentwicklungsbedarf besteht und welche Aufgaben geeignet sind diesen Entwicklugnsbedarf zu fördern.

Zur praktisch besseren Verwertbarkeit der Testergebnisse werden i. d. R. inhaltlich möglichst gut interpetierbare und abgrenzbare Kompetenzniveaus oder Kompetenzstufen identifiziert. Nach Rangreihung der inhaltshomogenen Aufgabengruppe gemäß der Aufgabenschwierigkeiten, werden Skalenabschnitte bestimmt, für die angenommen werden kann, dass eine kritische Kompetenzausprägung notwendig ist, um Aufgaben dieser Stufe zu bewältigen. Kompetenzstufen repräsentieren also Schwierigkeitsbereiche auf der ursprünglich kontinuierlichen Skala. Die Grenzen oder Übergänge zw. benachbarten Stufen indizieren einen kritischen Kompetenzzuwachs, der aus fachinhaltlicher oder didaktischer Perspektive als bedeutsam angesehen wird. I. d. R. wird in der Schulleistungsdiagnostik (z. B. Large Scale Assessment) eine Einteilung der ursprünglich kontinuierlichen Kompetenzskala in 3–6 Stufen vorgenommen.

Kompetenzstrukturmodelle dienen der Analyse der dimensionalen Struktur von Kompetenzen oder Kompetenzbereichen. Es werden entweder exploratorische Ansätze verfolgt (z. B. Faktorenanalyse, exploratorische) oder aber theoriebasiert entwickelte Strukturmodelle geprüft oder in einem konkurrierenden Modellvergleich verglichen (z. B. Faktorenanalyse, konfirmatorische, informationstheoretische Maße). Eine typische Fragestellung könnte hier lauten: Sind mathematische Kompetenzen eindimensional oder mehrdimensional strukturiert? Zeigen sich mehrere bedeutsame Subdimensionen, so muss zur empirischen Erfassung jeder identifizierten Dimension ein separates Kompetenzniveaumodell empirisch validiert werden (alternativ: multidimensionale IRT-Modelle). Kompetenzstrukturmodelle können (a) zur theorieorientierten empirischen Analyse eines Kompetenzbereichs (Konstruktvalidität) oder (b) als Basis für eine begründete dimensionale Diagnostik von Kompetenzniveaus verwendet werden.

Referenzen und vertiefende Literatur

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