Konflikttheorie

 

[engl. conflict theory], [EM], aus motivationspsychol. Sicht (Motivation) entstehen Konflikte, wenn unvereinbare Verhaltenstendenzen miteinander konkurrieren. Lewin (1931) war in seiner Feldtheorie davon ausgegangen, dass Ziele/Objekte mit pos. Valenz anziehende und solche mit neg. Valenz abstoßende Kräfte auf den Organismus (Mensch oder Tier) ausüben. Mit anderen Worten: Positive Objekte/Ziele ziehen uns an und neg. stoßen uns ab. Ein Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt entsteht, wenn ein Ziel/Objekt gleichzeitig und gleich starke pos. und neg. Valenz hat. Man wird davon dann gleich stark angezogen wie abgestoßen. Bei einem Annähern-Annähern-Konflikt sind unterschiedliche Ziele/Objekte, von denen man aber nur eines anstreben kann, gleich stark anziehend. Bei einem Meiden-Meiden-Konflikt sind unterschiedliche Objekte/Ziele, von denen man nicht alle gleichzeitig vermeiden kann, gleich stark abstoßend.

Miller (1944) hat Lewins Grundgedanken aufgegriffen und vier Grundannahmen zu den sog. Annähern- bzw. Meidentendenzen formuliert. Die Annäherntendenz wird umso stärker, je näher man dem Ziel kommt. Dies wird als Annäherngradient bezeichnet. Die Meidentendenz wird umso stärker, je näher man dem zu vermeidenden Objekt oder der zu vermeidenden Situation kommt. Dies wird als Meidengradient bezeichnet. Der Meidengradient ist steiler als der Annäherngradient, d. h. er wächst mit steigender Nähe schneller als der Annäherngradient. Die Stärke der Gradienten ist unabhängig von der Zielnähe von den Triebe bzw. Bedürfnissen, auf denen sie basieren. So ist z. B. der Annäherngradient, der einen zu Nahrung hinzieht, bei großem Hunger insges. stärker als bei geringem Hunger. Aus den Grundannahmen, die sich empir. bestätigen ließen, hat Miller Annahmen bzgl. Annähern-Meiden-Konflikten abgeleitet. Solange der Annäherngradient höher ist als der Meidengradient, sollte es zu annäherndem Verhalten kommen. Dadurch, dass der Meidengradient aber steiler ist als der Annäherngradient, kann es vorkommen, dass sich beide schneiden und somit in einem best. Abstand zum Ziel gleich stark sind. Das annähernde Verhalten sollte in diesem Fall zum Stillstand kommen. Annäherndes Verhalten kann wieder in Gang gesetzt werden, wenn der Meidengradient dadurch gesenkt wird, dass die neg. Valenz des Ziels reduziert wird, oder wenn der Annäherngradient dadurch angehoben wird, dass die positive Valenz erhöht wird. Die neg. Aspekte des Ziels müssen also geringer oder die pos. Aspekte stärker werden.

Referenzen und vertiefende Literatur

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