Konsistenz des Verhaltens

 

[engl. behavioral consistency], [PER], bez. das Ausmaß, in dem gemessene Werte des Verhaltens (inkl. Erleben) über Situationen hinweg erhalten bleiben. Innerhalb der größeren Person-Situation Debatte, ob eher Personenvariablen (Persönlichkeitsmerkmal) oder Situationsvariablen (Situationismus) Verhalten erklären und vorhersagen, wurde auch eine Konsistenzdebatte geführt: Man argumentierte, dass Verhalten konsistent über Situationen hinweg sein müsse, um Traits als Quelle der Konsistenz anzunehmen. Hartshorne & May (1928) fanden bei Schüler*innen jedoch nur geringe Korrelationen zw. unehrlichem Verhalten (z. B. Lügen) in unterschiedlichen Situationen (z. B. Klassenzimmer vs. Hausaufgaben). Sie nahmen daher an, es gäbe keinen generellen Trait der (Un)Ehrlichkeit, sondern nur situativ bedingtes (un)ehrliches Verhalten. Auch weitere Studien schlugen in diese Kerbe; sie fanden immer wieder Korrelationskoeffizienten um ca. ,30 für Verhalten in versch. Situationen, was viele Autor*innen als zu gering erachteten (Mischel, 1968). Allerdings ist solch eine Korrelation weder klein noch unbedeutend, und sie erhöht sich wenn man (1) nicht einzelnes, sondern aggregiertes Verhalten korreliert und/oder (2) nicht irgendwelche Situationen, sondern funktional ähnliche wählt (Kenrick & Funder, 1988). Ferner würden zu hohe Korrelationen eher behaviorale Rigidität anzeigen, was ein Zeichen von Psychopathologie sein kann.

In der Literatur wird der Begriff Konsistenz nicht einheitlich benutzt. Erstens muss er von der zeitlichen Stabilität von Traits (Persönlichkeitsmerkmale, Stabilität der; Stabilität, homotype; Stabilität, heterotype; Stabilität, normative) abgegrenzt werden. Zweitens systematisierten Fleeson & Noftle (2008) umfassend 36 versch. Konsistenzkonzepte in einer 3 × 3 × 4-Matrix, indem sie drei Dimensionen miteinander kreuzten: (1)   Konsistenzdeterminanten (Konsistenz worüber?): Konsistenz kann über (a) Verhaltensinhalte vs. (b) Situationsinhalte vs. (c) Zeitintervalle hinweg existieren.(2) Konsistenzdefinition (Konsistenz wie erfasst?): Werte müssen (a) absolut (Stabilität, absolute) vs. (b) relativ zu anderen Personen (Stabilität, normative) vs. (c) ipsativ innerhalb der Person (Messung, ipsative) erhalten bleiben. (3) Verhaltenserhebung (Konsistenz worin?): Verhalten tritt (a) einzeln vs. (b) zu einem Gesamtwert aggregiert vs. (c) konditional (d. h. abhängig von oder bezogen auf andere Variable) vs. (d) gemustert (d. h. komplexes Muster oder Profil an Verhalten) auf. Bisher sind nur wenige dieser Konzepte formal erforscht (Übersicht bei Stabilität). Am bekanntesten ist die transsituative Konsistenz von einzelnem oder aggregiertem Verhalten über Situationen hinweg, welche durch eine Korrelation ausgedrückt wird (d. h., die Rangreihe von Verhaltenswerten von Pbn in einer Stichprobe bleibt zw. den Situationen erhalten). Jede der 36 Konsistenzformen sagt etwas Anderes über Persönlichkeit aus; der Nachweis nur einer dieser Formen ist hinreichend, um die Existenz zugrunde liegender stabilitätsgenerierender Variablen (Traits) anzunehmen. Da mehrmals gezeigt werden konnte, dass Menschen in vielerlei Hinsicht bemerkenswert konsistent sind (Fleeson & Noftle, 2008), ist das Konzept von Traits sinnvoll. Als Konsequenz des Interaktionismus wurden varianzanalytische Verfahren (Generalisierbarkeitstheorie) auch für breite Faktoren wie die Big Five (Fünf-Faktoren-Modell) angewendet, um Varianzanteile von Personen und Situationen sowie deren Interaktion zu untersuchen (van Heck et al., 1994). Hierbei werden Situationen und verhaltensbezogene Einzelfragen (Items) von Inventaren systematisch variiert. Es zeigt sich, dass Personen recht transsituativ konsistent sind, aber sich dennoch auch situationsspezif. verhalten.

Referenzen und vertiefende Literatur

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