Konversionsstörung

 

(= K.) [engl. conversion disorder; lat. con- zus., vertere sich (um)wenden], [KLI], bez. nach DSM eine psych. Störung aus der Kategorie der Somatoformen Störungen, die durch ein oder mehrere Symptome oder Ausfälle der willkürlichen motorischen oder sensorischen Funktionen gekennzeichnet ist, die einen neurologischen oder sonstigen med. Krankheitsfaktor nahelegen (z. B. Koordinationsstörungen, Muskelschwäche, Blindheit, Taubheit, Krampfanfälle). Es müssen Hinweise auf einen Zus.hang zw. psych. Faktoren und Symptomen oder Ausfällen bestehen (z. B. vorangegangener Konflikt), die Symptome oder Ausfälle dürfen nicht absichtlich erzeugt oder vorgetäuscht worden sein, dürfen nicht vollst. durch einen med. Krankheitsfaktor oder die Wirkung einer Substanz erklärbar sein und dürfen keine Verhaltens- oder Erlebensweise darstellen, die in der Kultur der betroffenen Person als normal angesehen wird. Traditionell wurde die Bez. Konversion aus der Hypothese abgeleitet, dass die körperlichen Symptome der betroffenen Person die symbolische Lösung eines unbewussten psych. Konfliktes repräsentieren, die angstreduzierend wirkt und dazu dient, den Konflikt außerhalb des Bewusstseins zu halten. In der ICD-10 wird das Störungsbild im KapitelDissoziative Störungen beschrieben, und die entspr. Diagnosen sind dissoziative Bewegungsstörungen, dissoziative Krampfanfälle, dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen und dissoziative Störungen (K.) gemischt (s. Anhang I, F44).

Bis zu 0,5 % der Allg.bevölkerung sind von der K. betroffen, mehr Frauen als Männer und insbes. Menschen in ländlichen Regionen, mit niedrigem sozioökonomischem Status und mit geringem Wissen über med. und psychol. Konzepte. In Entwicklungsländern ist die Prävalenz der K. höher. Man geht davon aus, dass die Symptome und Ausfälle, die i. R. einer K. auftreten, hauptsächlich von den Vorstellungen bestimmt sind, die die betroffene Person vom Krankheitsbild hat. Die Diagnose einer K. sollte periodisch überprüft werden, da noch zu einem späteren Zeitpunkt ein verursachender med. Krankheitsfaktor festgestellt werden könnte. Die K. setzt typischerweise zw. der späten Kindheit und dem frühen Erwachsenenalter ein und hat häufig einen episodischen Verlauf. Es bestehen Hinweise auf eine die Störung begünstigende genetische Disposition.