Konversionstheorie

 

(= K.) [engl. conversion theory; lat. con- zusammen, vertere sich (um)wenden], [SOZ], mit seiner K. beschrieb Moscovici Bedingungen und Folgen des sozialen Einflusses von Minoritäten. Es handelt sich um ein kogn. Modell, in dem davon ausgegangen wird, dass der Einfluss von Minoritäten über Konversion, d. h. die inhaltliche Auseinandersetzung mit deren Position, vermittelt ist. Um erfolgreich zu beeinflussen, muss die Minorität geschlossen und zu allen möglichen Gelegenheiten ihre abweichende Position vertreten. Seitens der Rezipienten des Einflusses kommt es auf der Grundlage dieses konsistenten Verhaltensstils zur Annahme, dass sich die Mitglieder der Minorität ihrer Sache besonders sicher sind. Die Folge sind kogn. aufwendige Überlegungen dazu, ob sie vielleicht nicht doch recht haben könnten – nach Moscovici eine «Validierung», um den kogn. Konflikt zw. der eigenen Einstellung und der von der Minorität propagierten Position aufzulösen. Dabei kommt es zu einer schrittweisen Annäherung, die durch die Veränderung der inneren Überzeugung (Konversion) getragen wird. Schrittweise ist die Konversion insofern, als (1) zunächst nicht auf dem fokalen Thema der Beeinflussung, sondern auf verwandten Themen die Einstellungsänderung erfolgt und (2) das Individuum zunächst zögert, die neu erworbene Einstellung auch öffentlich zu vertreten.

Die K. lässt sich sehr gut für die Beschreibung von Einfluss auf gesellschaftlicher Ebene (z. B. Umweltschutzbewegung der 1980er-Jahre) verwenden. Auf indiv. Ebene ließen sich Annahmen zu Validierung und Konversion jedoch nur eingeschränkt bestätigen. So wurde etwa kritisiert, dass Minoritäteneinfluss weder notwendigerweise zur kogn. hoch aufwendigen Validierung führt noch grundsätzlich einen kogn. Konflikt bedingt (etwa bei neuen Themen, zu denen Rezipienten noch keine eigene Einstellung entwickelt haben). Trotzdem diente die K. einer Reihe von theoretischen Derivaten (Erb & Bohner, 2010) als Grundlage und ist bis heute das einflussreichste Modell zum Minoritäteneinfluss geblieben.

Referenzen und vertiefende Literatur

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