Kooperation

 

(= K.) [engl. cooperation; lat co- zusammen, opera Arbeit, Tätigkeit], [AO, SOZ, WIR], Form gesellschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Personen, Gruppen oder Institutionen bzw. als soziale Interaktion (soziale Interaktion; weite Definiton). K. zeichnet sich durch bewusstes und planvolles Herangehen bei der Zusammenarbeit sowie durch Prozesse der gegenseitigen Abstimmung über best. Zielvorstellungen aus. Von den Partnern der K. werden die öffentlich anerkannte Regeln und Verfahren akzeptiert. K. setzt zudem faire Bedingungen der Zusammenarbeit voraus. Dies beinhaltet den Grundgedanken von Gegenseitigkeit bzw. Reziprozität. K. gilt somit auch als eine sozialethische Norm (Sozialethik), als Strukturprinzip von Gruppen und Organisationen sowie als Verhalten bzw. Interaktionsform.

Für das Gelingen von K. bedarf es Möglichkeiten der Zielabstimmung und des Informationsaustausches, wechselseitiger Kommunikationen und gegenseitiger Unterstützung, konstruktiver Problemdiskussionen und einer längeren Zeitperspektive, in der die Form der K. erprobt wird und sich das Vertrauen in den jew. K.partner entwickeln kann. Eine kooperative Situation setzt zudem ein gewisses Maß an Entscheidungs- und Handlungsfreiheit der beteiligten Partner voraus. Die relative Autonomie der Akteure ist bedeutsam.

Es lassen sich zwei versch. Auswirkungen von K. auf Leistungen und Erleben festhalten: sozial kollektive Wirkungen, die es i. R. einer Gruppe gibt (z. B. wechselseitige Hilfsmöglichkeiten), sowie indiv. kogn. (z. B. gestiegene Anforderungen) und motivationale Wirkungen (z. B. höhere Freiheitsgrade). Eine wesentliche Funktion von K. besteht in der Erzeugung emot. pos. Effekte. Erfolgreiche K. führt zu pos. Stimmung und wechselseitiger Anziehung zw. denjenigen, die miteinander kooperieren. Bei kooperativer Zielinterdependenz schätzen sich die Gruppenmitglieder wechselseitig, ermutigen sich gegenseitig und gewähren sich Hilfe.

K. lässt sich unter zwei Perspektiven betrachten: (1) aus dem Blickwinkel des Individuums und (2) aus dem des Umfeldes. Dieses Umfeld besteht aus gesellschaftlichen und kult. Gegebenheiten. Strukturelle Bedingungen für K. in Organisationen sind z. B. die vorherrschende Unternehmenskultur, die Formen der Führung oder die Arbeitsgestaltung. Bedingungen für kooperatives Verhalten aufseiten der Personen sind z. B. Werthaltungen (Werte) und Einstellungen, PersönlichkeitsmerkmaleErwartungen und Vertrauen. Aus analytischen Gründen werden die beiden Seiten, Person und Umfeld, im Folgenden getrennt betrachtet, obgleich beide miteinander in Interaktion stehen.

K. wird auf der indiv. Ebene als die Tendenz beschrieben, pos. Handlungsergebnisse für sich und andere zu erreichen, während wettbewerbsorientiertes Verhalten den eigenen Handlungsergebnissen ein pos. und denen der anderen ein neg. Gewicht zuschreibt. Die Sorge um künftige Konsequenzen i. S. eines nachhaltigen Denkens ist ebenso Teilbestand kooperativen Handelns.

Wenn es um die Maximierung des subj. Nutzens geht, wird der Mensch als rational kalkulierendes Wesen gesehen und entspricht dem Menschenbild des homo oeconomicus. Dies kann als strategische K. bez. werden, die die Zusammenarbeit bewusst gestaltet, plant und kontrolliert, um eigene Interessen voranzubringen. Die Fähigkeit, sich in den anderen hineinzuversetzen (Empathie), fehlt bei diesem strategisch-kooperativen Handeln. Empathie gilt als eine Basiskompetenz für die Kommunikationsfähigkeit, sie ist ein zentrales Persönlichkeitsmerkmal. Wichtig für empathisches Kooperieren ist die gemeinsame Verständigung über die Art und Weise, Ziele zu erreichen. Der andere wird nicht lediglich in das eigene Zielvorhaben eingespannt, die anzustrebenden Ziele werden diskutiert.

Vertrauen ist für eine K.beziehung sehr wichtig, denn man muss sich auf den K.partner verlassen können. Um erfolgreich ein best. Ziel gemeinsam erreichen zu können, ist man zeitweilig auf die Arbeitsleistung anderer angewiesen. Vertrauen ist zudem nicht nur eine Erwartung in vorhersagbares Verhalten, sondern auch Zuversicht angesichts von möglichem Risiko, es beinhaltet somit die Bereitschaft verletzbar zu sein. Vertrauen ist jedoch nicht nur eine Persönlichkeitsvariable, sondern sie kann auch in strukturellen Maßnahmen einen Ausdruck finden: So können best. strukturelle Komponenten, wie z. B. ein stark ausgebauter Kontrollapparat, Misstrauen in die Eigenverantwortung der Mitarbeiter signalisieren.

Auch das kult. Umfeld spielt für die K. eine entscheidende Rolle (Kulturpsychologie, Kulturstandards). Je nach kult. Prägung gibt es Unterschiede in Hinblick auf das kooperative Verhalten: In individualistischen Kulturen z. B. konkurrieren Individuen eher miteinander und versuchen sich gegenseitig zu übertreffen, in kollektivistischen Kulturen findet die Konkurrenz zw. Gruppen statt, während der Einzelne sich stärker der Gruppe unterordnet.

K. in Organisationen besteht in dem Versuch der gemeinsamen Zielerreichung. Hierbei ist K. durch vertragliche Verpflichtungen und formale Kontrollstrukturen, Hierarchien und Regeln strukturiert. Die K. enthält einen sachlichen Aspekt über die Arbeitsaufgabe und einen persönlichen, der sich in der Qualität der Beziehungen ausdrückt. Formen der K. werden wesentlich mitbestimmt über die Unternehmenskultur und über festgehaltene Führungsgrundsätze (Führung). Zwar überwiegt in den meisten Führungsgrundsätzen die Betonung des kooperativen Miteinanders, doch ist häufig nicht klar, wie dies im Führungsalltag umgesetzt wird. Für die optimale Organisationsform von kooperativer Arbeit in den Unternehmen sind Freiheitsgrade für die Selbstorganisation bedeutsam, doch ebenso wichtig sind die Entlohnungsformen. Der indiv. Beitrag wird als Beitrag zum gemeinsamen Ziel gewertet. Eine sehr bedeutsame Konsequenz von gelungener K. ist eine effektive Koordination, die in bessere Leistung mündet und in ein gutes Betriebsklima. Die in Unternehmen erforderliche K. kann auch zu Pseudok. führen. Dabei wird von einer Gemeinsamkeit ausgegangen, die nicht oder nicht mehr vorhanden ist. Es findet kein wechselseitiger Austausch mehr statt, die Kommunikation erfolgt an der Oberfläche oder zum Schein bzw. auf der formalen Ebene, ebenso wenig besteht wechselseitiges Vertrauen. Um die K. in Organisationen zu verbessern, lassen sich folg. Maßnahmen ergreifen: Bilden übergeordneter Ziele, Schaffen von Gruppenidentität und Vertrauen, Berechenbarkeit, Kommunikation, Transparenz, Herstellung von entspr. Belohnungsstrukturen und Anreizen. Wichtig ist die Berücksichtigung von Humankriterien im wechselseitigen Umgang miteinander wie die Wertschätzung des anderen, Respektieren von Autonomie, sich an vereinbarte Regeln halten und das Sichhineinversetzen in den anderen.

Verwendete Literatur

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