Kornilow, Konstantin Nikolajewitsch

 

(1879–1957), [HIS, KOG], russischer Psychologe; geboren in Sibirien, Tätigkeit als Lehrer, Studium in Moskau, 1915–1921 Assistent von Tschelpanow am Moskauer Institut für Ps., 1921 zum Professor ernannt und 1924 Direktor des Institutes. Kornilow war der Überzeugung, Ps. könne nicht wie nach Auffassung der Reflexologie ausschließlich auf Physiologie gegründet werden. Ebenso kritisierte er die idealistische Richtung von Tschelpanow. Seine eigene Richtung nannte er Reaktologie. Diese war als marxistische Synthese aus der Experimentalps. (experimentelle Psychologie) und der Reflexologie gedacht. Kornilow arbeitete exp., seine Bücher waren in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre Standard der sowjetischen Ps. 1928 wurde Kornilow Herausgeber der führenden russischen Zeitschrift Ps. Die 1920er-Jahre wurden die Blütezeit der Reaktologie, Pädologie, Psychotechnik und der Pädagogischen Diagnostik. Nachdem 1929–30 Lenins phil. Tagebücher veröffentlicht wurden, in denen stand, dass der Mensch nicht nur reagiere, sondern ein aktives Wesen sei, fiel Kornilow in Ungnade; er wurde nicht verfolgt, musste aber 1930 die Leitungsfunktion des Instituts abgeben, die er 1938–1941 erneut übernehmen konnte, nachdem er sich von der Reaktologie distanziert hatte. Ab 1936 geriet die Ps. insges. durch das sog. Pädologendekret unter politischen Druck, damit auch die Reaktologie. Kornilow nahm in diesen Jahren versch. Funktionen in der Ps. wahr. Zu seinen Schülern gehörten Wygotski und Lurija, bedeutende Psychologen der sog. Kulturhistorischen Schule.