Kreativitätstests

 

(= Kt.) [engl. creativity tests, creativity assessment], [DIA, KOG, PER], Tests, die zur quant. Bestimmung der interindiv. unterschiedlichen Ausprägung der Eigenschaft der Kreativität (= K.) konstruiert sind. K. wird dabei, wie auch bei anderen psychol. Konzepten, wie z. B. Intelligenz oder Extraversion, als Konstrukt verstanden, das nicht direkt beobachtbar ist, sondern aus beobachtbaren Sachverhalten, wie z. B. dem Lösen von Testaufgaben, erschlossen wird. Für die Testkonstruktion von Kt. werden die aus der K.forschung ermittelten Befunde genutzt und in entspr. Testaufgaben überführt. Auch spez. dafür konstruierte Ratingskalenkönnen als Kt. bez. werden. Den Anstoß für die Entwicklung von Kt. haben die beiden bekannten Methodiker und Intelligenzforscher Guilford (1950) und Thurstone (1951) gegeben, wobei Guilford auf die Bedeutung der kogn. Komponenten der Problemsensitivität, der Wortflüssigkeit, der Flexibilität und der Redefinition für kreatives Denken hingewiesen hat.

Das K.modell des divergenten Denkens innerhalb des Guilford'schen Structure of Intellect-Modells (SOI) (Intelligenzfaktoren), war direktes und indirektes Vorbild für eine Reihe von standardisierten Tests zum divergenten Denken. In der Matrix of the divergent-production factors kombinierte Guilford die 6 Produktkomponenten mit den 4 Inhaltskomponenten und erhielt damit 24 Tests des divergenten Denkens. Das Testprinzip des divergenten Denkens verfolgt das Ziel, möglichst viele originelle und neuartige Antworten zu erhalten. Auf dieser Grundlage sind die The Torrance Tests of Creative Thinking (TTCT) entstanden. Sie wurden seit der ersten Aufl. 1966 in 7 aktualisierten Versionen weiterentwickelt, wovon eine neuere Version aus 2008 stammt. Die Tests liegen jew. in Form A und in Parallelform B vor und testen das Kreative Denken mittels verbaler und figuraler Items. Die figuralen Tests der TTCT bestehen aus 3 Subtests. Subtest 1: Picture Construction (Figurenumrisse weitergestalten). Subtest 2: Picture Completion (vorgegebene Zeichnungen komplettieren). Subtest 3: Lines/Circle (Modifizierung vorgegebener Figuren). Der verbale Teil umfasst 4 Subtests. Subtest 1: Ask and Guess (Bilder mit Fragen versehen). Subtest 2: Product Improvement (Verbesserungen für Gebrauchsgegenstände vorschlagen). Subtest 3: Unusual Uses (zu Feststellungen möglichst viele Fragen notieren). Subtest 4: Just Suppose (zu einer unglaubwürdigen Situation möglichst viele Folgerungen nennen). Für die TTCT konnten Retestreliabilitäten (Reliabilität) von ,40 bis ,70 errechnet werden. Auch Validitätskoeffizienten (Validität) für einige kreative Leistungen liegen vor. Werden kreative Leistungen mithilfe von Expertenratings (Ratingskala) bei schulischen Leistungen eingeschätzt, dann ergeben sich Koeffizienten (Korrelation) zw. ,30 und ,40. Werden kreative Leistungen im beruflichen Kontext über Experten eingeschätzt, erreichen die  Koeffizienten Werte um ,50.

Der Remote Associates Test (RAT, Mednick, 1968) ist auf der Basis von Assoziationsannahmen des Kreativen Denkens konstruiert. Der RAT umfasst 30 Items. Je Item werden 3 Wörter als Assoziationselemente vorgegeben. Dazu soll ein viertes, passendes Wort hinzugefügt werden. Für den Anlass, besonders begabte und talentierte Schüler und Studierende auszuwählen, wurden spez. Ratingskalen entwickelt. Bracken & Brown (2006) haben die Scales For Rating Behavioral Characteristics of Superior Students (SRBCSS) konstruiert. Williams (1980) hat für ähnliche Zwecke die Williams Scale of Creativity Assessment Packet entwickelt. Lehrer/Professoren bewerten über eine Liste von 8 Items die Dimensionen: Fluency, Imagination, Complexity und Risk Taking. Die Experten schätzen ein, wie intensiv und wie häufig diese Merkmale bei den einzelnen Pbn vorliegen.  Auch im dt.-sprachigen Raum hat das Konzept des divergenten Denkens zu einigen Testentwicklungen geführt. Der Verbale Kreativitätstest (V-K-T) von Schoppe (1975) orientiert sich am Intelligenzmodell von Jäger aus dem Jahre 1967 und bezieht sich auch auf Guilford. Der Test besteht aus 9 Subtests, von denen einige nach dem Prinzip des divergenten Denkens konstruiert sind und zu einem Kreativitätsindex (KI) zus.gefasst werden. Die Kriteriumsvalidität des V-K-T wurde für die Subtests und den KI anhand der mündlichen und schriftlichen Deutschnoten und zusätzlich noch mittels einer K.beurteilung der Schüler durch Lehrer berechnet. Die Koeffizienten variieren zw. ,14 und ,41. Wegen einiger Konstruktionsmängel und wegen der veralteten Normen kann der K-V-T nur noch bedingt empfohlen werden. Der KVS-P (Krampen, 1996, Kreativitätstest für Vorschul-und Schulkinder, Version für die Psychologische Anwendungspraxis) wurde für die fördernde Entwicklungsdiagnostik konstruiert und ist als exploratives Verfahren (Screening) für das Lebensalter 4–11 anwendbar. Das Verfahren ist weitgehend sprachfrei konzipiert und erfasst über 6 Subtests mit den Bez.: Fortbewegungsarten, Handlungsalternativen, Alternative Verwendungen, Bilderraten, Gebundene Zeichnungen und Freie Zeichnungen kreative Leistungen. Die mitgeteilten Testgütekriterien (Gütekriterien) erreichen Werte, die als hinreichend für die intendierten Zwecke des Tests gelten können. Schuler & Hell (2005) haben für die Vorhersage des beruflichen Erfolges für Pbn mit der Bildungsvoraussetzung Abitur den ASK (Analyse des Schlussfolgernden und Kreativen Denkens) entwickelt. Für das Modul Kreatives Denken (KD) wurden 4 Subtests mit jew. neuen Aufgaben (Sätze kombinieren, Hypothesen generieren, Bedingungsgefüge def., Kategorien bilden), die dem intellektuellen Niveau der Zielgruppe angepasst sind, konstruiert. Die zweifaktorielle Struktur des Tests ist nachgewiesen und auch die Konstruktvalidität ist umfangreich belegt. Außerdem konnte gezeigt werden, dass bei der Kombination von konventionellen Intelligenzmaßen (Modul Schlussfolgerndes Denken) und Testwerten des Kreativen Denkens (KD) eine bessere Vorhersage des Berufserfolges resultiert, als sie nur über Intelligenzwerte  aus dem Modul Schlussfolgerndes Denken erreicht wird (Validität, inkrementelle).  Bei der Anwendung des Tests kann auf aktuelle Normen (Normierung) zurückgegriffen werden.

Verwendete Literatur

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