Kreisreaktion

 

(= K.) [engl. circular reaction], [EW], Jean Piaget hat das Konzept der K. für das sich entwickelnde Zusammenspiel von Assimilation (Assimilationsschema) und Akkommodation verwendet und das vor allem für die sensu-motorische Entwicklungsstufe; es ist aber auf allen Entwicklungsstufen analog verwendbar (Repräsentationsstufen).

Auf allen Entwicklungsstufen haben Menschen die Tendenz, ihre Assimilationsschemata, vor allem, wenn sie noch relativ neu sind, immer wieder anzuwenden. Die elementarste Variante ist die, dass das Kind ein einmal aktiviertes Schema in Aktion behält, einfach aus Freude an der damit verbundenen sensorischen Wahrnehmung und später aus Freude am Effekt. Bsp.: Das Strampeln der Beinchen, das den ganzen Körper und einen am Wiegendach aufgehängten Hampelmann in Bewegung setzt, wird lustvoll aufrechterhalten. Oder auf der konkret-operatorischen Stufe (konkret-operatorische Entwicklungsstufe): Eine mühsam gefundene Problemlösung (Problemlösen) wird für eine Weile betrachtet und mehrfach nachvollzogen. Diese Tendenz zur Aufrechterhaltung der Assimilation nannte Piaget primäre K.

Die sekundäre K. besteht darin, dass ein Individuum ein einmal als lustvoll erlebtes Schema bei passender (oder auch vermeintlich passender) Gelegenheit wieder aktiviert. Zum Bsp. kann der Anblick des Hampelmanns den Säugling verleiten, sein vorher ausgeführtes Kunststück des Strampelns wieder aufzunehmen. Oder: Wer eben mit seinem Auto die erste Fahrt nach Hause gemacht und zum ersten Mal die automatische Gangschaltung erlebt hat, wird möglicherweise die nächstbeste Gelegenheit nutzen, nochmals wegzufahren.

Die tertiäre K. besteht darin, dass ein Individuum ein als lustvoll erlebtes und unterdessen ausgekostetes Schema spontan variiert, um zu sehen, was dann passiert. In diesem Fall experimentiert das kreative Individuum mit Schemata und Schemavariationen. Gewisse neue Wirkungen resp. Schemata werden besonders attraktiv sein: Der Zyklus kann von Neuem beginnen.

Offensichtlich bergen K. wichtige motivationale Faktoren (Motivation). Mit ihnen flexibel umzugehen, birgt enorme erzieherische und didaktische Chancen.