Krisenintervention

 

(= K.) [engl. crisis intervention; lat. intervenire dazw.treten], [KLI], unter K. versteht man – in Abgrenzung zur Psychotherapie oder Beratung – die kurzfristige Einflussnahme oder Hilfe für Menschen oder soziale Gruppen, die sich in einer akuten Krise befinden oder von ihr bedroht werden. Es geht darum, die kritische Entwicklung aufzuhalten oder zu bewältigen. Da psych. Krisen jederzeit auftreten können, sollen psychosoziale Hilfen für Menschen, die sich in einer Krisensituation befinden, in vielfältiger Form und niedrigschwellig verfügbar sein. Die ersten Ansprechpartner und häufig die wichtigsten Hilfen sind zunächst im unmittelbaren sozialen Umfeld zu finden (soziale Unterstützung), d. h. Familienangehörige oder Freunde. Darüber hinaus gibt es semiprofessionelle und professionelle Hilfen. Dazu zählen mehr oder weniger strukturierte Hilfenetze, wie Selbsthilfegruppen für psych. kranke Menschen, und insbes. die i. d. R. flächendeckend organisierten Telefonseelsorgenummern und Krisentelefone/-hotlines oder Krisendienste (Frühe Hilfen). Diese sind häufig auch auf spez. Zielgruppen ausgerichtet (z. B. Frauennotruf, Notruf für Jugendliche), im besten Falle auch «rund um die Uhr» erreichbar und führen gelegentlich – falls erforderlich – auch Hausbesuche durch. Frauenhäuser bieten schließlich Möglichkeiten der stationären Unterbringung bei psychosozialen Konfliktsituationen für Frauen – evtl. mit kleinen Kindern. Bei schweren psych. Krisen, ggf. mit Suizidalität, kann auch die Notaufnahme in einer psychiatrischen Klinik erforderlich sein. In einer spezielleren Bedeutung wird unter K. die Betreuung von Menschen nach akuten psych. Ausnahmesituationen, Selbstmordversuchen oder Großschadensereignissen bzw. Katastropheneinsätzen verstanden. Hier kommen Kriseninterventionsteams mit entspr. geschulten Helfern, bei Rettungsdiensten, psychol. Diensten oder kirchlichen Trägern zu Einsatz. Unter psychoth. Blickwinkel lässt sich das Handlungsprinzip der K. als supportiv kennzeichnen. Es geht zunächst darum Schutz, Sicherheit und Entlastung zu geben. Erst wenn dies erreicht ist, kann durch empathisches Zuhören vorsichtig eine vorläufige Situations- und Problemklärung erfolgen, und es können konkrete kleine oder sehr kleine Handlungsschritte zum besseren Verständnis oder zur Klärung der Problemsituation erarbeitet werden.

Referenzen und vertiefende Literatur

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