Kultur

 

(= K.) [engl. culture; lat. cultura Pflege, colere bebauen, ausbilden], [PHI, SOZ], Aneignung, Veredelung und Wertsteigerung der Natur durch den Menschen. Nach Hellpach ist K. die Ordnung aller Lebensinhalte und Lebensformen einer Menschengemeinschaft unter einem obersten, alles bestimmenden Wert (Werte). Auch die Erstarrung ist notwendig. Ohne sie gäbe es das Phänomen der K. nicht – es käme nie zu der Ruhe und Stetigkeit, deren K. bedarf. Thurnwald (1939) versteht unter K. die Gesamtheit der Gewohnheiten und Einrichtungen, die sich auf Familie, staatliche Gestaltung, Wirtschaft, Arbeit, Moral, Sitte, Recht und Denkart (Denken) beziehen. Sie sind an das Leben der Gemeinwesen gebunden, in denen sie geübt werden, und gehen mit diesen zugrunde. Den Umkreis der kult. Gegenstände teilt man herkömmlich in folg. einzelne Sachbereiche ein: (1) wirtschaftliche K. (Ackerbau, Bergbau, Viehzucht, Technik, Industrie, Handel, Verkehr), (2) soziale K. (Sitte, Recht, Gesellschaft, Staat, Erziehung), (3) geistige K. (Wissenschaft, Kunst, Religion, Schrift, Sprache, Spiel). – Diese Sachbereiche sind das Ergebnis einer Ausdifferenzierung im Laufe der Entwicklung, an deren Anfang die menschlichen Urgüter standen: Sprache, Tracht, Werkzeug, Gebot und Sitte, Jenseitsvorstellungen und Erlösungssehnsucht. Die krit. Auseinandersetzung mit dem Zustand und der Entwicklungshöhe unserer K.form ist oft betrieben worden: angefangen mit Rousseau, später von Kierkegaard, Nietzsche, J. Burckhardt, Dilthey, Jaspers, Klages, Spengler, A. Schweitzer, Toynbee, Marcuse et al. Kulturdimensionen, Kulturstandards, Kulturvergleichende Psychologie.

Referenzen und vertiefende Literatur

Sie sind schon registriert? Zur Anmeldung
Erstellen Sie einen Account um das komplette Literaturverzeichnis einzusehen.