Kultur des Friedens

 

(= K.) [engl. culture of peace], [SOZ], der Begriff der K. wurde durch einen Beschluss der UN-Vollversammlung aus dem Jahre 1998 prominent, mit dem die Weltorganisation die Dekade der K. von 2001–2010 ausrief. Er lässt sich nahtlos auf die Charta der UNESCO von 1949 zurückführen, in der ausgeführt wurde, dass Kriege «in den Köpfen der Menschen» beginnen. Diese Passage der Charta macht die Relevanz der Ps. für eine K. deutlich: In der UN-Resolution von 1998 wird die K. als Satz von «Werten, Einstellungen und Verhaltensweisen» beschrieben, «die soziales Miteinander und das Prinzip des Teilens widerspiegeln und inspirieren sowie auf Gewaltlosigkeit und sozialer Gerechtigkeit aufbauen». Acht Schlüssel zu einer K. werden herausgearbeitet: (1) Gewaltlosigkeit, (2) Menschenrechte, (3) Toleranz und Solidarität, (4) Gleichheit zw. Frauen und Männern, (5) nachhaltige Entwicklung, (6) Demokratie, (7) freier Informationsfluss und (8) Erziehung zum Frieden. Ps. und sozialwiss. Forschungsergebnisse zu K. lassen sich in neun zentralen Befunden zus.fassen: (1) Gewaltaffinität ist nicht naturgegeben; biol. Determinismus fördert Gewalt und soziale Ungleichheit; (2) die Verringerung sozialer Ungleichheit zw. Individuen und zw. Gesellschaften fördert Frieden; (3) Gewalt kann durch Konfliktmanagement und konstruktive Nutzung von Konflikten verhindert werden; (4) eine Förderung von gewaltfreien Traditionen kann gewalttätige Vorkommnisse auf allen Gesellschaftsebenen reduzieren; (5) gewaltfreies Handeln ist ein Mittel zur Förderung sozialer Gerechtigkeit; (6) ein Mehr an Kommunikation und Kontakt insbes. in Krisenzeiten nützt dem Frieden; (7) emanzipatorische Anstrengungen der Ps. fördern konstruktive gesellschaftliche Veränderungen; (8) die Förderung der Gleichheit von Frauen und Männern ist eine friedensfördernde Maßnahme; und (9) Prävention geht vor Intervention.

Aus wiss. Perspektive weitgehend ungeklärt ist die Nachhaltigkeit der Wirkung von psychol. Prävention und Intervention zugunsten friedlicher Konfliktlösung und einer K. Langzeitstudien belegen nur geringe Wirkungen, sodass davon auszugehen ist, dass die Etablierung einer weltweiten K. eher eine Angelegenheit von vielen Jahrzehnten, wenn nicht Jhd. ist und nicht durch kurzfristige Einzelmaßnahmen herbeigeführt werden kann. Forschung zur K. ist Gegenstand der Friedenspsychologie.

Verwendete Literatur

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