kulturelle Überschneidungssituation

 

(= k. Ü.) [engl. cultural overlapping situation], [SOZ], wenn Personen mit unterschiedlicher kult. Sozialisation in einer Situation füreinander bedeutsam werden und eine Interaktionsbeziehung eingehen, dann spricht man von einer k. Ü. Der Begriff ist eine Spezifizierung der sozialen Ü. in der Feldtheorie von Kurt Lewin. In einer sozialen Kontaktsituation setzen sich Menschen nicht nur mit ihren eigenen Handlungszielen, ihren Motiven und Einstellungen auseinander, sondern müssen auch diejenigen der Interaktionspartner nachvollziehen, um angemessen agieren und reagieren zu können (Fremdverstehen). Sie befinden sich also zur gleichen Zeit in mehreren Situationen. Die Interpretation der Aktionen und Reaktionen der Interaktionspartner gelingt bei ähnlicher Sozialisation durch den Rückgriff auf geteilte Vorstellungs- und Begriffswelten besser als bei Sozialisationsverläufen in stark unterschiedlichen kult. Orientierungssystemen. Entscheidend für den Verlauf der Interaktionsbeziehung ist die Frage, welche Orientierungssysteme die Interaktionspartner in der jew. Situation aktivieren. So kann es sein, dass in einer alltagsbezogenen Situation ein dt. Vertriebsmitarbeiter und ein dt. Ingenieur ein gegenseitiges Verstehen sehr einfach herstellen können, während in einer fachbezogenen Situation die evtl. stark unterschiedlichen beruflichen Sozialisationsverläufe zu Missverständnissen und Konflikten führen können. Hingegen kann es sein, dass in einer fachlichen Situation der dt. Ingenieur leichter ein Verstehen mit seinem chinesischen Kollegen erzielen kann, während sie bei der Bewältigung einer Alltagssituation, z. B. im Ablauf eines gemeinsamen Essens, auf Missverständnisse und Fehlinterpretationen stoßen. Wenn das Handeln der Interaktionspartner in k. Ü. auffällig wird, also im pos. wie neg. Sinne fremdartig ist, dann spricht man von einer sog. kritischen Interaktionssituation.

Verwendete Literatur

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