Kulturpsychologie

 

(= Kps.) [engl. cultural psychology], [PER, SOZ], in der Kps. wird Kultur (= K.) als integraler Bestandteil der menschlichen Psyche verstanden. Damit grenzt sie sich ab von dem Ansatz der klass. Kulturvergleichenden Psychologie, die K. als externe, unabhängige Variable auffasst und bestrebt ist, menschliche Universalien über K.grenzen hinweg nachzuweisen und in ihrer traditionellen Ausprägung einem eher deterministischen, naturwiss. Paradigma folgt. In der Kps. wird im Ggs. davon ausgegangen, dass K. nicht als externe Variable betrachtet werden kann, sondern menschliches Verhalten und Handeln unauflöslich mit seinem kult. Kontext verwoben ist. Die historischen Wurzeln der Kps. liegen in der eher geistes- und sozialwiss. Tradition der Wundtschen «Völkerpsychologie» (Wundt), den pragmatistischen Vorstellungen von William James und John Dewey und der soziohistorischen Schule (Wygotski).

K.psychologen gehen von einem Bild des Menschen als absichtsvoll und kreativ handelndes Wesen aus, der seiner Umwelt durch soziale Aushandlungsprozesse mit anderen Personen aktiv Bedeutung und Sinn verleiht. K. kann nach Boesch als Handlungsfeld verstanden werden, das durch soziale Konstruktionsprozesse in Gruppen vergesellschafteter Subjekte entstanden ist. Es bietet den Individuen Handlungsmöglichkeiten, setzt aber auch Handlungsgrenzen. Menschen können als potenziell reflexive Wesen dieses Bedeutungs- und Sinnsystem aktiv bestätigen oder verändern. Aus Sicht der Kps. macht es aufgrund dieser historisch gewachsenen transformativen Beziehung kaum Sinn nach Universalien zu suchen, sondern vielmehr die Einzigartigkeit dieser komplexen Wechselbeziehung in ihrem spezif. sozio-historischen Kontext zu verstehen. Insofern bevorzugen K.psychologen eine qual. Methodologie (Qualitative Sozialforschung), mit der die bedeutungsgebenden Prozesse und ihre Auswirkungen auf das menschliche Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Handeln aus der Perspektive der untersuchten Gruppe nachvollzogen werden können, wie z. B. teilstrukturiertes oder narratives Interview, Konversationsanalyse, Biografie- und Erzählanalyse, Qualitative Inhaltsanalyse, Struktur-Lege-Techniken.

Kps. ist die ältere Schwester der Indigenen Ps., die sehr ähnliche Ziele verfolgt. Während in der Kps. eine Dominanz «westlicher» Forscher gegeben ist, wird die Indigene Psychologie eher von «nicht westlichen» Forschern betrieben. Als bekannteste Vertreter der Kps. der Gegenwart gelten in der angloamerik. Forschungstradition vor allem Jerome Bruner, Michael Cole, Patricia Greenfield oder Carl Ratner. Im dt.sprachigen Raum sind vor allem Ernst Boesch, Pradeep Chakkarath, Lutz Eckensberger und Jürgen Straub zu nennen. Interkulturelle Psychologie, Kulturstandards.

Referenzen und vertiefende Literatur

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