Kunst, psychopathologische

 

[engl. psychopathological art], [KLI], Bez. eines Teilgebiets der Psychopathologie des musischen, bes. des bildnerischen, seltener des sprachgestaltenden oder musikalischen Schaffens (vor allem psych. oder psychosomat.) Erkrankter. Bei der Frage nach dem ästhetischen oder Kunstrang der Produktionen besteht weitgehend Übereinstimmung darin, dass psych. Erkrankung Kreativität nicht ausschließt, doch kein Konsens hinsichtlich der Kriterien und der Bedeutung des Pathologischen in der vergleichenden Betrachtung.

Schon die klassische Untersuchung von Prinzhorn spricht von «Bildnerei» und nicht von «Kunst» der Erkrankten. Während man zuvor aus den Produkten (bes. schizophren) Erkrankter vorwiegend diagno. Anhaltspunkte gewinnen wollte, betont Prinzhorn stärker die Vergleichbarkeit mit der Kinderzeichnung, der Kunst der Primitiven, der Volkskunst, Laienkunst etc. und hebt auf eine allg.-menschliche Gestaltungskraft sowie den generellen «Kernvorgang» der künstlerischen Schöpfung ab. Angelehnt an die Kreativitätsforschung, sieht man in psychopathologischen Produkten eher eine Grundlage für das Verständnis einer umfassenden Ps. der Gestaltung (Bader, 1975, Bader & Navratil, 1976), wobei die Gefahr besteht, über der kreativen Leistung das Spezifische der Erkrankung zu vernachlässigen. Kunstpsychologie, Kunsttherapie.

Verwendete Literatur

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