Kybernetik

 

(= K.) [engl. cybernetics; gr. κυβερνήτης (kybernetes) Steuermann], [KOG], der Begriff wurde von dem amerik. Mathematiker N. Wiener in Anlehnung an den von Ampère 1834 gegebenen Begriff cybernétique geprägt. K. ist die Wissenschaft von den Steuerungs- und Regelungsmechanismen in belebten und unbelebten Systemen, also in Organismen und Maschinen, aber auch in soz., organisatorischen, ökonomischen und polit. Gegebenheiten. Theoretisch bedeutsam ist, dass die K. Grundstrukturen und Grundbegriffe herausarbeitet, die unabhängig von Realisierung und Gegenstandsbereich das Zusammenwirken von Teilen und Ganzheiten und das Erreichen von Zielen bei Hindernissen und Störungen mit gegebenen Mengen möglicher Operationen beschreiben.

Wichtige Bestandteile der K. sind Informationstheorie und Theorie des Regelkreises (Regelkreise). Im Grundbegriff der Information wurde von K.ern die Bez. für eine dritte, den Aufbau unserer Welt neben Materie und Energie bestimmende Entität gesehen. Im Regelkreis liegt ein Modell zur Beschreibung komplex interagierender Systeme vor, das die theoretischen Leistungsgrenzen herkömmlicher Denkkategorien wie Ursache und Wirkung überschreitet. Unter kybernetischen Aspekten wurden auch neue grafische Darstellungsformen für komplexe Zusammenhänge entwickelt: u. a. das Blockdiagramm, in dem «Blöcke» durch «Wirkungslinien» miteinander verknüpft werden. Die Blöcke repräsentieren Funktionen (Signal- und Informationswandlungen), die Wirkungslinien bilden die Zusammenschaltung der Blöcke durch informationsübertragende Kanäle zu Systemen ab (Bsp. in Regelkreis). Als neue theoretische Weltbeschreibungsmöglichkeit hat sich die K. auf fast alle Gebiete der Ps. ausgewirkt. In der Anwendung bestehen erhebliche Auffassungsunterschiede im Abstraktions- und Mathematisierungsgrad. Einen umfassenden Überblick über die Rezeption der K. in der Ps. der 1960er-Jahre geben Kaminski (1970) und Klix (1971). Die Kognitionspsychologie zählt Informationstheorie und K. zu den wichtigsten Beiträgen aus Nachbardisziplinen, setzt jedoch den Hauptakzent auf die moderneren Aspekte der Informationsverarbeitung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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