Lagerneurose (-psychose)

 

(= L.) [engl. ghetto neurosis], [KLI], Form der Posttraumatischen Belastungsstörung durch zwangsweise auferlegtes Lagerleben (z. B. Kriegsgefangenenlager, Internierungslager, Ghetto). Der Verlust von Heimat, Familie, Besitz, Arbeitsplatz etc. sowie das Angewiesensein auf eine reglementierte, von Konflikten durchsetzte Umgebung führt zu chronisch-depressiven Zuständen (Depression) mit anankastischen (Zwangsstörungen) wie auch phobischen (Phobie) Zügen, u. U. mit einer Latenzzeit von 10–20 Jahren. Symptome: Erschöpfung, Zwangsgedanken, depressive und schizophrene Verhaltensstörungen. Eine Sonderform der L. ist das KZ-Syndrom (syn. Überlebenssyndrom), die Posttraumatische Belastungsstörung bei KZ-Überlebenden mit charakteristischer Symptomhäufung von Erregung, Kontaktschwierigkeiten, Angstzuständen, Bereitschaft zum Lebensverzicht (Suizidalität) u. a., wobei wohl als Extremvariante das anzusehen ist, was bei Überlebenden aus den Vernichtungslagern des Hitler-Regimes erhoben werden konnte. Spez. Therapiemöglichkeiten sind umstritten.