Lamotrigin

 

(= L.), [PHA], Antikonvulsivum, bei psychiatrischen Krankheitsbildern für die Prophylaxe depressiver Episoden i. R. einer bipolaren Störung sowie zur Monotherapie bei Verläufen, die wesentlich durch depressive Episoden gekennzeichnet sind, zugelassen. Eine antimanische Wirksamkeit ist nicht belegt. Der Wirkungsmechanismus ist nicht abschließend geklärt, wahrscheinlich spielt die Interaktion mit spannungsgesteuerten Natriumkanälen eine wichtige Rolle. Aufgrund des Risikos von schweren Hautreaktionen (Lyell-Syndrom) sollte die Dosissteigerung sehr langsam erfolgen (Beginn mit 25 mg/d in den ersten 14 Tagen; Dosissteigerung auf 50 mg/d in einer Einmaldosis für weitere 14 Tage; weitere Dosissteigerung bis zum Erreichen des gewünschten Therapieeffekts in Schritten von 50–100 mg alle 1–2 Wochen möglich; Erhaltungsdosis 100–200 mg/d, Maximaldosis 400 mg/d). L. wird rasch fast vollst. resorbiert, die Eliminationshalbwertszeit (HWZ) nach Einmalgabe liegt bei 33 Std. (14–103 Std.). L. induziert seinen eigenen Metabolismus, sodass die HWZ nach Mehrfachgaben bis zu 25% sinken kann. Gleichzeitige Verabreichung von Enzyminduktoren (z. B. Carbamazepin, Phenytoin) verkürzt die HWZ, während es bei gleichzeitiger Gabe von Valproinsäure (hemmt den L.-Metabolismus) zu einem Anstieg der HWZ auf ca. 70 Std. kommt. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Kopfschmerzen, Somnolenz, Aggressivität, Übelkeit, Erbrechen, Doppeltsehen, verschwommenes Sehen. Bei ca. 10% der Pat. treten v. a. zu Beginn der Behandlung Hautreaktionen auf, die in seltenen Fällen einen schweren, potenziell lebensbedrohlichen Verlauf (Quincke-Ödem, Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom) einnehmen können. Die Häufigkeit von Hautreaktionen nimmt mit der Geschwindigkeit der Aufdosierung zu.