Late Talker

 

(= l.t.), [engl.] «Spätsprecher», [EW, KOG], Kinder ohne Primärbeeinträchtigungen bei ansonsten altersgerechtem Entwicklungsstand, die bis zum Ende des 2. Lebensjahres weniger als 50 Wörter sprechen (50-Wörter-Marke), wenige oder keine Wortkombinationen produzieren und deren Sprachentwicklung bis zum 3. Geburtstag verlangsamt verläuft (etwa 15% aller Kinder). Vor dem 18. Lebensmonat ist von einer Klassifizierung abzusehen. Studien im englischsprachigen Raum belegten, dass ca. 40-80% der L.T. ihren Rückstand zw. dem 2. und 3. Altersjahr ohne spezif. Förderung aufholen (Late Bloomer = Spätzünder), die indiv. Sprachleistungen im weiteren Verlauf aber nicht selten im unteren Normbereich verbleiben. Als prognostisch bedeutsam haben sich nonverbale kogn. Fähigkeiten, Wortverständnis, Sprachproduktion, insbes. der Wortschatzumfang, die Schulbildung des Vaters sowie die Teilnahme der Mutter an einem Interaktionstraining erwiesen (Buschmann & Neubauer, 2012). Auch eine scheinbare Normalisierung von L.T. mit erneuten Problemen im Vorschulalter ist möglich. (Ehemalige) L.T. zeigen im Grundschulalter in vielen Sprachmaßen signifikant niedrigere Leistungen im Vergleich zu Kindern mit normalem Sprechbeginn (Rescorla, 2015; Sachse, 2015) und erfüllen die diagnostischen Kriterien einer spezifischen (umschriebenen Sprachentwicklungsstörung. Zur Früherkennung von L.T. wird ein sprachdiagnostisches Screening in Gestalt von standardisierten Elternfragebögen mit einer sprachproduktiven Wortschatzliste und Fragen zum Gebrauch von Wortkombinationen eingesetzt, z. B. Elternfragebogen zur Wortschatzentwicklung im frühen Kindesalter: Eltern Antworten – Revision (ELAN-R); Elternfragebögen für die Früherkennung von Risikokindern (ELFRA); Fragebogen zur frühkindlichen Sprachentwicklung (FRAKIS; FRAKIS-K); Sprachbeurteilung durch Eltern Kurztest (SBE-2-KT). Liegt der produktive Wortschatz hiernach unter einem Cut-Off von PR 16 bzw. PR 10 gilt das als Bestätigung für einen L.T. Die genannten Untersuchungsinstrumente unterscheiden sich hinsichtlich ihres theoret. Konzepts, der Breite des Altersanwendungsbereichs sowie des Umfangs ihrer Wortlisten. Bei auffälligem Ergebnis ist eine weitere, insbes. pädaudiologische (Pädaudiologie) Diagnostik erforderlich, aber auch entwicklungspsychol. Sprachdiagnostik mit dem Sprachenentwicklungstest für zweijährige Kinder (SETK-2). Zur Förderung von L.T. existieren Frühinterventionsansätze, die mehr kindzentriert sind (Schlesiger, 2009) – wenngleich Elternarbeit stets ein obligatorischer Kernaspekt ist – oder mehr eltern- bzw. erzieherzentriert (Buschmann, 2011, 2015; Möller et al., 2009; Roberts & Kaiser, 2015) und deren Wirksamkeit positiv beurteilt wird (Hachul, 2013).

Referenzen und vertiefende Literatur

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