Lateralität

 

(= L.) [engl. laterality; lat. lateralis seitlich], [BIO, KOG, WA], laterale Asymmetrie, laterale Dominanz, beschreibende Bez. für die funktionelle Bevorzugung eines Organs (bessere Leistungsfähigkeit: Kraft, Schnelligkeit, Geschicklichkeit) und/oder morphologische Verschiedenheit paarig angelegter Organsysteme (z. B. Sinnesorgane: Augen, Ohren; Bewegungsorgane (Motorik): Hände, Beine, Lider; innere Organe: Lungen, Nieren, Hoden; Teile des Zentralnervensystems): Funktionsareale, Hirnkerne, Hirnnerven). Die Paarigkeit ist ein Spezialfall der Vervielfachung von Organen, was u. a. evolutionär die Spezialisierung von Organsystemen für Funktionen ermöglicht sowie die Entwicklung spezif. auf Zusammenwirken angewiesener Funktionen (z. B. Tiefensehen, räumliches Hören, Zweihandgreifen, Zweihandtätigkeiten wie links Halten der Nadel und rechts Führen des Fadens, Gehen). Auch morphologisch einheitlich erscheinende Organe sind afferent und efferent (animal und/oder vegetativ) lateralisiert innerviert, wie z. B. Zunge, Haut, Stimmbänder, Nase. Insbes. der Händigkeit entspricht eine entspr. Werkzeugausformung (z. B. Schere) und z. T. damit zus.hängend eine Tätigkeitsablaufrichtung (z. B. Schreiben). Die Präferenz oder Leistungsüberlegenheit für best. Teilaktivitäten muss nicht übereinstimmend für die Organe einer Körperseite gelten.

Die innervatorische L. entspricht der (gekreuzten) seitenbezogenen Zuordnung des ZNS (Hirnhemisphären) zu (peripheren) Organen. Psychische Funktionen sind nicht an ein morphologisch einheitliches Substrat (Organ) geknüpft (z. B. Sprache, Raumwahrnehmung, Gefühle) und im ZNS bilateral verankert. Solche Funktionen sind modular aus Teilleistungen aufgebaut. Für etliche dieser Module, deren Funktionsort im Gehirn lokalisierbar ist, besteht eine rechts- vs. linkshemisphärische Leistungsasymmetrie bzw. Spezialisierung einer Seite, was z. B. schon sehr früh für Sprachfunktionen nachgewiesen wurde (Aphasie, Hemisphärenspezialisierung). Welcher Anteil an funktionaler Asymmetrie angeborenerweise entsteht und welcher sich aus Gründen der optimalen Arbeitsteilung bzw. Koordination ergibt, ist jew. für die Einzelfunktion zu klären.