Lebensstil

 

(= L.) [engl. life style], [GES, SOZ], der L. einer Person definiert deren Vorlieben und typische Verhaltensweisen. Der Begriff wird häufig unscharf verwendet und erfährt je nach disziplinärer Herkunft (z. B. Prävention, Präventivmedizin, Soziologie) und theoretischer Grundlage (z. B. Soziologische Theorien der Individualisierung) eine andere Bedeutung. In der Forschung und Praxis zur Prävention wird das Verständnis von L. auf ein typisches Verhalten (Lebensstilaktivitäten/-weisen) bezogen, das nützlich ist, um das Risiko einer kardio-metabolischen Erkrankung (Morbidität) oder des vorzeitigen Versterbens (Mortalität) zu reduzieren (z. B. Aktivität, körperliche, Ernährung, gesundheitsförderliche). Die soziol. Forschung beschreibt mit dem L. in einem umfassenden Sinne die indiv. Präferenzen und Ausdruckformen von Personen in ihrer Alltagsgestaltung. L. hat dort Bezüge zu sozialpsychol. Konstrukten (z. B. Soziale Identität) und Phänomenen (z. B. Alternsstile in der Psychogerontologie; Psychologie des Alterns). Im soziologischen Diskurs ist der L. ein Paradigma, das i. Ggs. zu bisherigen Ungleichheitsansätzen (z. B. soziale Schicht) nicht nur auf ökonomische und vertikale Differenzierung zurückgreift. Im L. drückt sich soziale Identität aus und damit auch die Distinktion zu anderen als der eigenen Gruppe (positive Distinktheit). Nach Müller (1992) äußern sich L. expressiv im Freizeit- und Konsumverhalten, interaktiv in der Kommunikation und auch im Bindungsverhalten bevorzugt zu Personen der eigenen Gruppe (soziale Milieus), evaluativ in Werthaltungen (Wert) und Einstellungen und kognitiv in der Wahrnehmung der und den Erwartungen an die «soziale Welt». Über die vier Ausdrucksformen lassen sich Lebensstiltypen def., die an sozialstrukturelle Einheiten gebunden werden (sollten): Familien- oder Wohnformen, Berufsgruppen, Klassen, Schichten oder Milieus.

Referenzen und vertiefende Literatur

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