Leberfunktionsstörungen unter Psychopharmakotherapie

 

(= L.) [engl. hepatic dysfunction due to psychotropic drugs], [PHA], gehören zu den relativ häufig berichteten unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Die toxischen Effekte können durch eine direkte Wirkung der Substanzen bzw. deren Metabolite entstehen oder über das Immunsystem vermittelt werden. Unabhängig von dem Schädigungsmechanismus kommt es bei einer Zellschädigung zur Freisetzung von Leberenzymen in den Kreislauf, sodass deren erhöhte Konzentration im Serum das erste Zeichen einer Leberschädigung sein kann. Die meisten Psychopharmaka unterliegen einer hepatischen Verstoffwechslung (Ausnahmen u. a.: Amisulprid, Lithium), sodass eine Überwachung der Leberfunktion zu den Routine-Untersuchungen bei psychopharmakol. behandelten Pat. gehört. In vielen Fällen wird ein transienter, asymptomatischer Leberenzymanstieg (v. a. bei Antidepressiva, Antipsychotika) innerhalb der ersten Wochen nach Therapiebeginn beobachtet. Dieses bis jetzt pathophysiol. unzureichend erklärte harmlose Phänomen erfordert dennoch engmaschige Kontrollen, da es, im Falle einer Persistenz, für eine relevante Leberschädigung sprechen kann. Eine schwerwiegende, potenziell lebensbedrohliche Komplikation der Psychopharmakotherapie ist eine akute, arzneimittelinduzierte Schädigung mit fulminantem Leberversagen. I. R. einer Hypersensitivitätsreaktion kommt es dabei zu einer massiven Leberzellnekrose. Derartige Reaktionen wurden z. B. für Valproinsäure (Inzidenz 1:10 000) berichtet. I. Allg. gilt die Regelung, dass bei anhaltend erhöhten Leberenzymen auf Werte, die über dem 3-Fachen der Norm liegen, und/oder beim Auftreten von klin. Symptomen (Ikterus, allg. Krankheitsgefühl, gastrointestinale Beschwerden), eine Umstellung des möglicherweise als Auslöser identifizierten Medikaments angestrebt werden soll.