Lehr-Lern-Forschung

 

(= L.) [engl. research on learning and instruction], [PÄD], ist Forschung zu Bedingungen, Prozessen und Wirkungen des Lehrens und Lernens (Lernen, schulisches) innerhalb und außerhalb von Bildungsinstitutionen. L. lässt sich strukturieren nach der Art des Zugangs und der Art der Fragestellung (Klauer & Leutner, 2012): Empir. Unterrichtsforschung verfolgt einen deskriptiven Zugang und untersucht bei der Was-Frage z. B., welche Inhalte in Schule und Unterricht gelehrt und welche Kompetenzen von Schülern erreicht werden, und bei der Wie-Frage z. B., wie Lehrer und Schüler im Unterricht interagieren. Erziehungsphilosophie verfolgt einen normativen Zugang und untersucht bei der Was-Frage z. B., welche übergeordneten Ziele (Erziehungsziel) in Schule und Unterricht erreicht werden sollten, und bei der Wie-Frage z. B., welche berufsethischen Standards für Lehrpersonen gelten sollten. Instruktionsforschung schließlich verfolgt einen präskriptiven Ansatz und untersucht bei der Was-Frage z. B., wie das Curriculum (Lehrplan), und bei der Wie-Frage z. B., wie der Lehr-Lern-Prozess zu gestalten ist, um best. übergeordnete Ziele erreichen zu können.

Als empir. Bildungsforschung wird L. von versch. akademischen Disziplinen betrieben, neben der Ps. z. B. auch von der Erziehungswiss. (Pädagogik), der Soziologie und den Fachdidaktiken, und wird in Dt. seit Bekanntwerden der PISA-Studien-Ergebnisse zu Beginn der 2000er-Jahre auch zunehmend von der Bildungsadministration und der Bildungspolitik zur Kenntnis genommen. Innerhalb der Ps. hat L. eine u. a. auf Thorndike (1903a, 1903b) zurückführbare lange Tradition und repräsentiert einen bedeutsamen Bereich der Päd. Ps. L. bedient sich eines breiten Spektrums wiss. Forschungsmethoden. Im Bereich der deskriptiv orientierten empirischen Unterrichtsforschung dominieren korrelative Methoden (Korrelation) auf der Basis von Daten, die per Test, Fragebogen oder z. B. Unterrichtsbeobachtung erhoben wurden. Methode der Wahl im Bereich der präskriptiv orientierten Instruktionsforschung ist das Experiment, bei dem unter kontrollierten Bedingungen z. B. untersucht wird, inwieweit eine Lehrmethode A (Lehr-Lern-Methoden) zu besseren Lernerfolgen (Lernerfolgsmessung) führt als eine Lehrmethode B. In vielen Fällen werden bei solchen Experimenten auch Persönlichkeitseigenschaften (Persönlichkeitsmerkmal) berücksichtigt, um Wechselwirkungen mit Lehrmethoden feststellen zu können (engl. aptitude-treatment interaction, ATI). Neben Experimenten im Labor werden zunehmend auch exp. Studien im Feld (Feldstudie) durchgeführt (Interventions- und Implementationsstudien). Im Bereich der normativ orientierten Erziehungsphilosophie spielen psychol. Forschungsansätze dagegen eine untergeordnete Rolle. Zur Frage aber, welche Ziele z. B. in der beruflichen Bildung (Aus- und Fortbildung) erreicht werden sollten, lassen sich Methoden der Arbeitsplatzanalyse einsetzen, um spezif. berufliche Anforderungen zu identifizieren (Anforderungsanalyse) und in ein entspr. Curriculum einzubeziehen. Eine ganz bes. Bedeutung im Bereich der Forschungsmethoden der L. haben schließlich Metaanalysen, bei denen die Ergebnisse von Primärstudien zu einer best. Forschungsfrage stat. zus.gefasst werden und in ein Maß der Effektgröße berechnet werden. Angebots-Nutzungs-Modell der Wirkfaktoren akademischer Leistungen, Hochschuldidaktik.

Referenzen und vertiefende Literatur

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