Lehr, Ursula Maria

 

(geb. 1930), [EW, HIS], wurde als erstes Kind des Bankbeamten Georg Josef Leipold in Frankfurt geb. Sie ist Gerontologin, Entwicklungspsychologin und war als CDU-Politikerin im Kabinett Helmut Kohl 1988–1991 Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit. Nach dem Abitur (1949) studierte sie ein Semester in Frankfurt, dann in Bonn. Noch als 23-jährige Studentin reichte sie ihre Dissertation zu einer Intensiv-Beobachtung eines fast einjährigen Kindes ein. Die Arbeit wurde von Hans Thomae, damals Assistent von Erich Rothacker, betreut. Das Diplom in Ps. erwarb sie 1955, kurz nach der Promotion (1954). Nach mehreren Forschungsprojekten wurde Lehr Assistentin von Hans Thomae, der 1960 nach Bonn berufen worden war. Es folgten die bedeutende Bonner Gerontologische Längsschnittuntersuchung (BOLSA) mit Personen der Geburtsjahrgänge 1890–1895 und 1900–1905. Kritisch standen Thomae und Lehr zum traditionellen Defizit-Modell des Alterns sowie zur Disengagement-Hypothese. Längsschnittuntersuchungen und weitere Untersuchungen, wie u. a. zur Belastung von Frauen, die noch für einen alten Elternteil zu sorgen hatten, folgten. Lehr habilitierte sich mit der Arbeit Berufs- und Lebensschicksal – die Berufstätigkeit der Frau aus entwicklungs- und sozialpsychol. Sicht 1986 als eine der ersten Frauen in Bonn. Sie erhielt bald mehrere Rufe, lehrte ab 1971 als Professorin für Päd. Ps. in Köln. 1972 erschien ihr Buch Psychologie des Alterns (Psychologie des Alterns), das weite Verbreitung fand. 1976 wechselte Lehr nach Bonn, 1986 nach Heidelberg auf einen Lehrstuhl für Gerontologie, den sie zu einem Institut für Gerontologie ausbauen konnte. 1998 wurde Lehr in Heidelberg emeritiert. Ihr gelang der Aufbau des interdisziplinär arbeitenden Deutschen Zentrums für Alternsforschung (DZAF) in Heidelberg. Für ihre vielfältigen Leistungen erhielt Ursula Lehr eine Vielzahl von hohen Auszeichnungen, u. a. das Große Verdienstkreuz mit Stern.

Referenzen und vertiefende Literatur

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