Lehrtheorie

 

(= L.) [engl. instructional/teaching theory], [PÄD], Theorie des Lehrens, bislang nur als lerntheoret. Programme in versch. Ansätzen vorhanden, deren Prinzipien i. d. R. aus angrenzenden oder vorgeordneten Bereichen (z. B. Lernpsychologie, Logik, Modelltheorie, Entscheidungstheorie) abgeleitet und anschließend auf das jew. Anwendungsgebiet (z. B. Unterricht) ausgedehnt werden. Es lassen sich unterscheiden (Loser & Therhart, 1977): (1) Der lerntheoret. Ansatz, der (Gage, 1964) für die Transformation der Lerntheorien in L. folg. Analyseeinheiten als grundlegend ansieht: (a) Typen der Lehreraktivität (wie erklären, demonstrieren, planen, bewerten, disziplinieren usw.), (b) Arten von Lernzielen (kogn., affektiv, psychomotorisch u. a.), (c) Komponenten von Lernprozessen (als Ziele didaktisch-meth. Steuerung, z. B. Aufmerksamkeit lenken, Auffassung steuern, Reaktion auslösen, Motivation anregen, Rückmeldung sichern), (d) Familien von Lerntheorien (Konditionieren, Modell- bzw. Identifikationslernen, kogn. Lernen) (Behaviorismus, Modelllernen). Eine allumfassende Theorie des Lehrens kann es nicht geben, wohl aber Kombinationen von Aktivitätstyp, Lernzielart, Lernprozedur und lerntheoretischem Modell, die der Vielfalt möglicher Lehrgegenstände, -methoden und -situationen gerecht werden können. (2) Der inhalts- und sachstrukturelle Ansatz, der die Sachlogik des Lehrgegenstandes nicht einfach in Lehrlogik transformieren, sondern dem Lernenden das Verständnis der Grundstrukturen und der sie konstituierenden Prinzipien des Lehrgegenstandes erschließen will, wobei (Bruner, 1960) damit vertieftes Grundlagenverständnis, effektive Gedächtnisstrukturierung, höherer Transfer und leichtere Aktualisierung des Gelernten erreicht werden. (3) Der modelltheoretische Ansatz als Versuch, Lehr- und Lernverfahren durch abbildende Reduktion auf Bedeutsames und perspektivische Akzentuierung in Erklärungs- und Handlungsmodellen für Planung, Kontrolle und Prognose verfügbar zu machen und zu verbessern (Salzmann, 1972). (4) Der lehrlogische Ansatz, der grundsätzlich vom Lernenden als einem vernunftbegabten Wesen ausgeht und für die Praxis des Lehrens, das nach dieser Auffassung auf Wissen und Erkenntnis zielt, die Logik der Argumentation und des Begründens für konstitutiv hält (Meux, Smith). Auf phil.-sprachanalytische Grundlagen gestützt, beschränkt sich dieses «Vernunftmodell» (Nuthall, Snook) auf die logische Regulierung der verbalen Interaktion mit dem Ziel des wissenschaftsorientierten Lernens. (5) Der lehrtheoretisch-didaktische Ansatz der sog. «Berliner Schule» (Schulz, 1973), der seine Aufgabe in der Analyse der durch unterrichtliches Handeln mit best. Prozessen unter dem Gesichtspunkt ihrer Zielstruktur (intentional, thematisch, meth., medientechnisch) und der Konstruktion (Planung) normgerechter und effektiver Prozesse auf versch. Ebenen (von Schulgesetzgebung und Curriculum bis zum Unterrichtsentwurf eines Lehrenden) sieht. Unverkennbar handelt es sich bei den versch. Ansätzen um bestenfalls partielle, best. Teilbereiche abdeckende L. Eine die Lehr-Lern-Situation vollst. erfassende und für Planung und Praxis konstitutive L. steht noch aus. Didaktik, Lehren, Pädagogik, Unterricht.

Referenzen und vertiefende Literatur

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