Leib-Seele-Problem

 

[engl. mind-body problem], [PHI], altes phil. Problem, das sich auf die Natur des Körperlichen (Physischen) und des Seelisch-Geistigen (Mentalen; Seele) sowie ihren Zusammenhang bezieht; in moderner Sicht vor allem die Frage, wie man zugleich dem offensichtlichen Zusammenhang zw. mentalen und physischen Ereignissen und der Verschiedenheit ihres phänomenalen Gegebenseins Rechnung tragen kann. Der interaktionistische Substanzdualismus (Descartes; Dualismus), heute eher selten vertreten, wird zwar der Verschiedenheit des Mentalen vom Physischen gerecht, behauptet aber durch die Annahme einer mentalen Substanz mehr, als empirisch oder theoretisch begründbar ist. Überdies wird die Annahme einer kausalen Wechselwirkung zw. Körper und Geist als problematisch erachtet. In der Form des psychophysischen Parallelismus hat der Dualismus wiederum Probleme, die Parallelität zu erklären (Leibniz: prästabilierte Harmonie; Okkasionalismus). Unter den monistischen Auffassungen wird der Idealismus (Spiritualismus), wonach es nur Geistiges gibt und die Materie nur in der Vorstellung existiert, heute kaum noch vertreten. Verbreitet sind dagegen die Spielarten des Materialismus, zwar nicht in der kaum haltbaren Form, dass Seelisch-Geistiges nicht existiert (These des radikalen Behaviorismus), jedoch z. B. als eliminativer Materialismus oder Identitätslehre. Nach der früheren Form der Identitätslehre (neutraler Monismus von Spinoza, Russell) galten Physisches und Mentales als zwei Seiten der einen Wirklichkeit, nach der modernen (Place, Smart) wird das Mentale jedoch als auf das Physikalische reduzierbar angesehen. Der Funktionalismus (Putnam) nimmt an, dass das Mentale nichts anderes ist als die funktionale Organisation eines informationsverarbeitenden Systems (das Muster der Beziehungen zw. Inputs, Outputs und internen Zuständen; Informationsverarbeitungssystem), wobei Letzteres i. Allg. als physikal. System gedacht wird. In der neueren Diskussion haben sich reduktionistische Auffassungen zunehmend als problematisch erwiesen. Von entscheidender Bedeutung sind in diesem Zusammenhang die Erlebnisqualität (Quale) und Intentionalität (Intention) mentaler Zustände, die bisher nicht überzeugend auf physikal. Sachverhalte reduziert werden konnten. Viele, die sich gegen eine reduktionistische Position aussprechen, akzeptieren jedoch die Annahme der Supervenienz des Mentalen auf dem Physischen: Das Mentale superveniert auf dem Physischen, wenn zwei beliebige Individuen, die sich physisch exakt gleichen, sich auch mental nicht unterscheiden können. Teilweise werden mentale Eigenschaften auch als emergente Eigenschaften (Emergenz) komplexer physischer Systeme interpretiert.

Referenzen und vertiefende Literatur

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