Lernbehinderung

 

(= L.) [engl. learning disability], [KLI, PÄD], Sammelbegriff zur Umschreibung von Beeinträchtigungen in den Lernleistungen. Zu anderen Begriffen wie Lernschwierigkeiten, -schwäche, -problem, Lernstörungen lässt sich L. (learning difficulties) durch die Zeit- und die Intensitätsdimension (Stärke, Umfang, Breite) unterscheiden. Allerdings gibt es auch hier fließende Übergänge. Die Kultusministerkonferenz (= KMK.) spricht im Jahre 1999 vom Förderschwerpunkt Lernen, der sich nicht mehr nur auf Sonderschulen (Förder-) und Berufssonderschulen, sondern auch auf die allg.bildenden Schulen (insbes. Grundschulen) bezieht. L. kann als primäres oder sekundäres (in Zusammenhang mit anderen Behinderungen) Verhalten und Erleben auftreten. L. ist abzugrenzen von einer Teilleistungsschwäche (-störung). L. umfasst meistens die grundlegenden Bereiche: Denken, Gedächtnis, Wahrnehmung, Motorik, sprachliches Handeln (Sprache, Kommunikation) und Emotionalität. L. tritt häufig im Kontext von sozialer Randständigkeit und Benachteiligung und psychosozialen Problemen auf. Die Entwicklung, der Prozess und das Umfeld des Lern- und Leistungsverhaltens einer Person sind so beeinträchtigt, dass erfolgreiches Handeln nicht bzw. nur sehr eingeschränkt möglich ist. Die erbrachten Leistungen, vor allen im Lesen, Schreiben und Rechnen, weichen stark von der Leistungsnorm Gleichaltriger ab. Das Erleben dieser Misserfolge führt meistens zur Minderung des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls, was den Entwicklungs- und Lernprozess wiederum neg. beeinflusst. Nicht selten kommt es dann zu Sekundärsymptomatiken (wie Verhaltensstörungen, Sprachstörungen).

Wichtig sind daher eine Früherkennung und Frühförderung (Prävention), die bereits im Kindergarten (vorschulische Betreuungsformen) einsetzen sollten, und nicht nur eine sonderpäd., sondern auch eine psychosoziale Versorgung beinhalten muss. Jede (sonderpäd.) Förderung (Sonderpädagogik) setzt die Feststellung des indiv. (sonderpäd.) Förderbedarfs voraus. In diesem diagn. Vorgehen sind nicht nur die Person, sondern auch deren Lernprozess und schulisches und familiäres Umfeld zu analysieren. In einer Förderplanung werden die indiv. Lernziele, -methoden und -medien und die Lernbedingungen festgelegt, von Zeit zu Zeit überprüft und fortgeschrieben.

Die Förderung geschieht mit spezif. Methoden und Trainings in Einzel- und in Gruppenform. Dabei geht es nicht nur um die Förderung des Lern- und Leistungsverhaltens, sondern auch um die der gesamten Persönlichkeitsentwicklung und den Abbau beeinträchtigender und hemmender Bedingungen des Umfeldes. Entscheidend ist die Schaffung eines pos. Lern- und Entwicklungsprozesses, der die Bedingungen des Gelingens, der Ressourcennutzung (Ressourcenorientierung), des Empowerments und der Kompetenzsicherung in den Vordergrund stellt. Lerndiagnostik, Behindertendiagnostik im Kindes- und Jugendalter.

Verwendete Literatur

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