Lernen, verbales

 

(= v. L.) [engl. verbal learning], [KOG], besteht im Erwerb und Behalten assoziativer Verbindungen zw. verbalen Einheiten. Forschungen zum v. L. haben seit dem zweitenWeltkrieg stark expandiert und bis in die 1970er Jahre angedauert. Die Untersuchungen des v. L. standen in der Tradition des britischen Empirismus und ihres aristotelischen Vorläufers, und viele Fragestellungen lassen sich auf Ebbinghaus' klassische Untersuchungen des Gedächtnisses zurückführen. Als Lernmaterialien wurden früher oftmals sog. sinnlose Silben verwendet. Dies ging auf Ebbinghaus (1885) zurück, der das Lernen unbeeinflusst von früheren Erfahrungen untersuchen wollte. Später wurden auch andere linguistische Einheiten wie Wörter, Sätze und Texte verwendet.

Neben der Frage, welchen Einfluss versch. Merkmale des Lernmaterials auf die Geschwindigkeit der Aneignung haben, dominierten in der assoziationistisch ausgerichteten Ps. des v. L. Fragen danach, welche Einheiten miteinander assoziativ verknüpft werden (Reizselektion), ob die Verbindungen von Lernversuch zu Lernversuch an Stärke zunehmen (inkrementelles Lernen) oder in einem einzigen Versuch ihre volle Stärke erreichen (Alles- oder Nichts-Lernen) und wie sich die verteilte Übung mit Pausen zw. den Lerndurchgängen im Vergleich zur massierten Übung auf Lernen und Behalten auswirkt. Diese Fragen sind häufig beim Paar-Assoziations-Lernen (PA) und Seriellen Lernen (SL) untersucht worden. Beim PA sollen Pbn eine Menge an Verknüpfungen zw. Reizen und Responses (z. B. Wort-Wort-Verbindungen) so lange lernen, bis diese beherrscht werden. Beim SL besteht die Aufgabe darin, eine konstant bleibende Reihe von items (z. B. Wörter) so lange zu lernen, bis sie beherrscht wird. Außerdem wurde häufig die Aufgabe des freien Reproduzierens (= f. R., freie Reproduktion) [engl. free recall] verwendet. Den Pbn wird z. B. eine Reihe von Wörtern dargeboten, die sie in beliebiger Reihenfolge reproduzieren sollen. Lassen sich die Wörter, die in zufälliger Folge dargeboten werden, in versch. Kategorien einordnen (z. B. Städte, Tiere, Länder usw.), so tendieren die Pbn dahin, Wörter, die zur gleichen Kategorie gehören, nacheinander zu reproduzieren. Deutlich wird hier der Einfluß präexperimentell erworbenen Wissens. Die f. R. ist eine Gedächtnisprüfung, mit deren Verwendung die Ps. den Bezugsrahmen des Assoziationismus weitgehend verläßt.

Eine bedeutsame Rolle haben in der Ps. des v. L. auch Untersuchungen zum Transfer und zur Interferenz gespielt. In Transferuntersuchungen wird geprüft, wie sich ein vorangegangenes Lernen auf späteres Lernen auswirkt. In Interferenzuntersuchungen dagegen wird geprüft, wie sich ein vorangegangenes Lernen auf die Reproduktion des zu einem späteren Zeitpunkt Gelernten auswirkt und wie ein späteres Lernen die Reproduktion des zu einem früheren Zeitpunkt Gelernten beeinflusst. Interferenzuntersuchungen beziehen sich auf das Gedächtnis, das neben dem Lernen assoziativer Verbindungen bis in die 1970er Jahre wichtiger Gegenstand der Ps. des V. war. Allerdings spricht die Gedächtnisps. heute die Sprache der Informationsverarbeitung. Der assoziationistisch ausgerichteten Ps. des v. L. kommt dagegen nur noch eine geringe Bedeutung zu.

Referenzen und vertiefende Literatur

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