Lernkurve

 

(= L.) [engl. learning curve], [KOG], als L. bez. man eine Funktion, die die Zeit für die Ausführung einer Fertigkeit als Funktion der Übungsdurchgänge (Üben) betrachtet. Zentraler empirischer Befund ist, dass die Beschleunigung der Bearbeitungszeiten zu Beginn der Übung sehr ausgeprägt ist, mit zunehmender Übung aber immer geringer wird (neg. beschleunigte L., James, 1890). Da sich diese L. bei den unterschiedlichsten Tätigkeiten zeigt (z. B. Nachzeichnen spiegelverkehrter Muster, Zigarrenrollen, Wahlreaktionsaufgaben, Lesen invertierten Textes), postulierten Newell und Rosenbloom (1981) das sog. Potenzgesetz der Übung:

RT%3Da%2Bb%5Ccdot%20n%5E%7B-c%7D

mit RT = Reaktionszeit; a = Asymptote, der sich die Reaktionszeit mit zunehmender Übung annähert; b = Reaktionszeit zu Beginn des Trainings; c = Lernrate und n = Übungsblöcke).

Während im motorischen (Motorik) Fertigkeitserwerb diese Potenzfunktion bereits Mitte der 1980er Jahre kritisiert wurde (z. B. Welford, 1987), galt sie im Bereich kogn. Fertigkeiten lange als Bewährungsprobe für Modelle des kogn. Fertigkeitserwerbs (Logan, 1988). Mit Beginn des neuen Jahrtausends wurde sie aber auch in diesem Bereich in Frage gestellt. Zum einen ist unklar, ob die bessere Anpassung der Potenzfunktion an die Übungsverläufe Resultat unangemessener Mittelwertsberechnungen ist (Potenzfunktions-Artefakt; Myung et al., 2000). Zum zweiten wird die durch das Potenzgesetz postulierte Kontinuitätsannahme infrage gestellt (Haider & Frensch, 2002). Kern dieser Kritik ist, dass die Potenzfunktion auch dann an Übungsverläufe angepasst werden kann, wenn diese auf der Basis indiv. Lernverläufe (Lernen) diskontinuierlich verlaufen (Gallistel et al., 2004).

Referenzen und vertiefende Literatur

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