Lernumgebung, konstruktivistische

 

(= k. L.) [engl. constructivistic learning environment], [KOG, PÄD], basieren auf der Annahme des Konstruktivismus, dass Lernen nicht nur Rezeption von bestehenden Wahrheiten ist, sondern dass Menschen aus ihrem Erleben selbst aktiv Wissen konstruieren (Sozialkonstruktivismus). Basierend auf Piaget wird davon ausgegangen, dass kogn. Konflikte diesen Konstruktionsprozess auslösen (Entwicklung, kognitive). Basierend auf Wygotski wird die Bedeutung sozialer Interaktionen hervorgehoben und betont, dass abstraktes Denken aus sozialer Interaktion und Aktivität resultiert (Entwicklung, soziokultureller Ansatz nach Wygotski). Seit Mitte der 1980er Jahre wird das traditionelle Lehren und Lernen in Schulen als realitätsfremd kritisiert. Bei diesem – vorwiegend rezeptiven – Lernen würden Schüler mit abstrakten und künstlich vereinfachten Zusammenhängen konfrontiert, was zu trägem Wissen führe, das Schüler nicht auf reale Probleme außerhalb der Schule anwenden könnten. Dem werden k. L. gegenübergestellt. Sie zielen nicht darauf ab, abstrakte und generalisierte Lerninhalte zu transferieren, sondern konfrontieren Lernende mit Problemen, die ihr Interesse wecken und sie zu Lösungen herausfordern. Dazu werden zumeist komplexe, authentische Probleme verwendet, die die Lernenden mithilfe gegebener Ressourcen bearbeiten (Lehrstrategien, problemorientierte). Lösungsrelevante Informationen sind vorhanden, müssen aber von den Lernenden identifiziert und genutzt werden. Der Lernprozess ist nicht extern vorgegebenen, sondern die Lernenden arbeiten selbstgesteuert und werden vom Lehrer nur bei Bedarf unterstützt (z. B. durch Scaffolding, Coaching oder Modeling). Damit ist der Lehrende Lernbegleiter, die Verantwortung für den Lernprozess liegt aber bei den Lernenden selbst. K. L. sind zumeist kollaborative L., in denen das Problem in einer Kleingruppe gemeinsam bearbeitet wird (Lernen, kooperatives). Im gemeinsamen Wissenskonstruktionsprozess wird ein gemeinsames Verständnis des Problems und der Lösung entwickelt. Dadurch muss die jew. vorhandene Überzeugung im Dialog mit den anderen Personen ständig geprüft und weiterentwickelt werden. Dieser komplexe Prozess der Wissenskonstruktion wird häufig durch Medien unterstützt: Grafiken, Videos oder Simulationen verdeutlichen die Komplexität und Authentizität des Problems, geteilte Texteditoren unterstützen die Kommunikation, Wissenskonstruktion und gemeinsame Problemlösung. Bsp. für k. Lerntheorien sind: anchored instruction, problem based learning, cognitive apprenticeship, cognitive flexibility, realistic mathematics education, communities of learning. Prototypische Bsp. für k. L. sind das Knowledge Building Forum von Scardamalia und Bereiter oder die «Jasper Woodbury»-Video-Serie von der Cognition and Technology Group der Vanderbilt University. In den letzten Jahren wurde auch dem Web 2.0 und seinen Tools hohes Potenzial für das konstruktivistische Lernen zuerkannt. Kritisiert wurden k. L. vor allem dahingehend, dass sie sehr zeitaufwendig sind, und ihre hohe Komplexität Lerner leicht überfordern. Kokonstruktion, Lehrstrategien, Lernen, aktives

Referenzen und vertiefende Literatur

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