Lesekompetenz

 

(= L.) [engl. reading competence], [KOG, PÄD], die basale Kulturtechnik des Lesens (Lesen) ist seit den internat. Vergleichstestungen der OECD (vor allem PISA 2000ff.; PISA) verstärkt im politisch-gesellschaftlichen Bewusstsein verankert. Dabei wird zumeist die testpsychologische Konzeption der PISA-Untersuchungen mit dem Konstrukt L. verbunden. Diese Konzeption ist auf drei kogn. Fähigkeitsdimensionen konzentriert, nämlich Informationen ermitteln, textbezogenes Interpretieren sowie Reflektieren und Bewerten. Untersucht werden bei PISA Neuntklässler, die unter Rückgriff auf die Item-Response-Skalierung (Item-Response-Theorie) der Testaufgaben in 5 Kompetenzstufen (bei PISA 2009 um je eine Stufe am oberen und unteren Rand ergänzt; Kompetenzstufenmodelle) eingeordnet werden. Als zentrale Einflussfaktoren erweist sich neben dem Geschlecht (mit einer Überlegenheit der Mädchen gegenüber den Jungen) in Dt. vor allem auch die soziale Schicht (mit einer Unterlegenheit des bildungsfernen Lebensstils).

Die Binnenstrukturierung des Konstrukts unterscheidet hierarchieniedrige Prozesse des Lesens (von der propositionalen Textrepräsentation bis zur lokalen Kohärenzbildung) und hierarchiehohe Prozesse (von der globalen Kohärenzherstellung bis zur Bildung von Superstrukturen). Interindividuelle Kompetenzunterschiede basieren zunächst auf Worterkennungsprozessen, bei denen der lexikalische Zugriff durch eine effiziente phonologische Rekodierung erleichtert wird; deshalb gilt es, die Vorläuferkompetenz der phonologischen Rekodierung schon im Kindergartenalter bewusst einzuüben. Außerdem spielen die Arbeitsgedächtniskapazität und das Vorwissen für die Entwicklung von L. eine entscheidende Rolle.

In der Lese- und Literaturdidaktik wird gegenüber dieser eher engen kognitionsps. Konzeption von L. eine weite Konstrukt-Explikation vertreten, die motivationale, emot. und soziale Dimensionen programmatisch mit einbezieht. Dazu gehören als motivationale Aspekte Zielstrebigkeit und Ausdauer des Lesens, Aktivierung pos. Gratifikationserwartungen und das Bedürfnis nach kogn. Durchdringung; desgleichen im emot. Bereich die Fähigkeit, Texte bedürfnisbezogen auszuwählen, Lust und Unlust zu balancieren sowie die Lesesituation zu genießen. Unter sozialer Perspektive geht es vor allem um die sog. Anschlusskommunikation, in der gelernt wird, andere Textrezeptionen zu tolerieren bzw. Bedeutungskonsense auszuhandeln. Das Zusammenwirken dieser Teilfähigkeiten mit den kogn. Kompetenzen verschaffen der L. eine Funktion in Richtung auf eine konstruktive Persönlichkeitsentwicklung.

Referenzen und vertiefende Literatur

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