Lexikalischer Ansatz

 

(= L.A.) [engl. lexical approach, psycholexical approach], [PER], Annahme, dass sich wichtige persönlichkeitsbeschreibende Wörter (meistens Adjektive) in dem Wortschatz einer Sprache niedergeschlagen haben (Sedimentationshypothese) und durch Analysen natürlicher Sprache Erkenntnisse über die Struktur von Persönlichkeit gewonnen werden können (psycholexikalische Hypothese). Bereits Galton (1884; Galton, Francis, Sir) durchkämmte Wörterbücher auf der Suche nach Worten, die indiv. Unterschiede beschreiben könnten. Klages (1926) formalisierte aber als Erster die Hypothese, dass (v. a. sozial wichtige) Personenmerkmale sich in der Alltagssprache finden lassen müssten (z. B. als Adjektive: wissbegierig, freundlich, nervös etc.). Baumgarten (1933) legte die erste systematische Arbeit vor, bei der sie 1093 persönlichkeitsbeschreibende Adjektive in der dt. Sprache extrahierte. Danach legten Allport & Odbert (1936) eine lexikalische Studie für die engl. Sprache vor, bei der sie sogar auf 17953 Wörter kamen. Seitdem gab es zahlreiche weitere lexikalische Studien (historische Übersicht in John et al., 1988), die v. a. auf eine effiziente Beschreibung von Persönlichkeit mittels weniger alltagspsychol. salienter sprachlicher Beschreibungsdimensionen zielten (Goldberg, 1990). Solche Bemühungen mündeten meist in faktorenanalytische Persönlichkeitsmodelle wie z. B. die Big Five Taxonomie (Fünf-Faktoren-Modell). Um zu einer möglichst sparsamen Taxonomie grundlegender Trait-Dimensionen (Persönlichkeitsfaktor) zu gelangen, nutzen lexikalische Studien meist vier sequenzielle Schritte: (1) Extraktion von persönlichkeitsbeschreibenden Wörtern aus dem Wörterbuch einer Sprache; (2) Bereinigung der Liste (z. B. Ausschluss sehr seltener und veralteter Wörter sowie Synonyme); (3) Einholen von Selbstbericht und/oder Fremdberichten auf den Wörtern; (4) Reduzierung der Daten auf wenige Dimensionen mittelsFaktorenanalyse.

Referenzen und vertiefende Literatur

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