Liebe, sozialkonstruktivistischer Ansatz

 

(= s. L.) [engl. social constructivist/ constructionist approach of love], [EM, SOZ], s. L. (Sozialkonstruktivismus) heben die Bedeutung sozialer Faktoren für die Einstellung zur L. und zum Erleben von L. hervor. Zwar scheint L. universell, jedoch bestimmen kult. Regeln sowie unsere Sozialisationserfahrungen, wie L. als emot. Zustand erlebt und ausgedrückt wird (Beall & Sternberg, 1995). Im Hinblick auf kult. Regeln werden Erlebensregeln (welche Empfindungen und Gefühle sollten bei Liebe erlebt werden?) und Darstellungsregeln (wie darf Liebe ausgedrückt werden?) unterschieden. Diese Regeln dienen als interpretative Schemata, vor deren Hintergrund eigene Erfahrungen interpretiert werden (z. B. gibt es das romantische Ideal, das sich durch eine Idealisierung des Partners, Plötzlichkeit des Eintretens, Verpflichtung und physiol. Erregung auszeichnet).

Unterstützung erhält dieser Ansatz durch Ergebnisse aus interkulturellen und historisch-vergleichenden Studien (Interkulturelle Psychologie). Während unsere zeitgenössische Definition der Liebe durchaus freundschaftliche Aspekte wie z. B. Vertrauen, Offenheit und Nähe enthält, lassen sich solche Merkmale in Zeitepochen, die klar eine unterschiedliche Stellung der Geschlechter vorschreiben, nicht finden. Ebenso zeigt sich konsistent mit einer eher kollektivistischen Orientierung ostasiatischer Kulturen, dass Liebe in asiatischen Kulturen als weniger pos. dargestellt, mit mehr schmerzhaften Attributen in Verbindung gebracht und stärker mit freundschaftlichen Attributen, in denen in besonderem Maße die Bedürfnisse des Partners berücksichtigt werden, verknüpft wird.

Verwendete Literatur

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