Lombroso, Cesare

 

(geb. als Ezechia Marco Lombroso) (1835–1909), [HIS, PER, RF], ital. Psychiater, Begründer der Italienischen Schule der Positivistischen Psychiatrie. Zunächst einige Studiensemester für Literaturwissenschaften, Linguistik und Archäologie an den Universitäten Padua, Wien und Paris, dann Studium der Med. in Pavia mit dem Abschluss 1858 als Dr. med., Tätigkeit bis 1865 als Militärarzt, dann zuständig für Geisteskrankheiten im Städtischen Krankenhaus Pavia, ab 1871 in Pesaro, 1878 o. Prof. für Gerichtsmedizin und Hygiene, später für Psychiatrie bzw. für Kriminalanthropologie. Lombroso entwickelte die schon in seiner Zeit umstrittene «These vom geborenen Verbrecher». Damit verlagerte sich die Betrachtung von der kriminellen Tat auf den Täter. Bestimmte Schädelformen seien äußerer Indikator für kriminelle Neigungen. Entsprechend regte Lombroso an, diese Personen bei Straftaten anders zu behandeln. Lombrosos Arbeiten zur menschlichen Erscheinung und zum Ausdruck hatten Einfluss auf Freud und Jung, ebenso auf die Diagnostik (z. B. Szondi-Test (SZ-T)) einschl. Grafologie. Später beriefen sich nationalsozialistische Rassenideologen z. T. auf Lombroso.