Marburger Hochbegabtenprojekt

 

(= M.) [engl. Marburg giftedness project], [EW, PER], Hochbegabung, intellektuelle, eine 1987 an der Universität Marburg begonnene Längsschnittsstudie (Längsschnittuntersuchung) zur Charakterisierung intellektuell Hochbegabter (HB) und Hochleistender (HL) und deren Entwicklung vom Kindes- bzw. Jugendalter bis ins mittlere Erw.alter (insbes. im nicht kogn. Bereich: Persönlichkeit, Temperament, Übersensibilität, Selbstkonzept; Interessen, Motivation; leistungsthematische Attributionen, Kompetenzwahrnehmung, proaktive Selbststeuerung, Erfolgsorientierung; psychosoziale Anpassung; Underachievement; subjektives Wohlbefinden). Weiterhin wurden diverse Rahmendaten zur Lebenssituation (Familienbeziehungen, Erziehungsziele; Peerbeziehungen; Ausbildung, Bildungsstatus, Berufserfolg usw.) erhoben. Aus einer Ausgangsstichprobe von N = 7023 unausgelesenen Grundschulkindern (3. Klasse) aus neun «alten» Bundesländern wurde eine Zielgruppe HB (mittlerer IQ ≈ 135; n = 151) sowie eine Vergleichsgruppe durchschnittlich Begabter (DB, Parallelisierungskriterien: gleiche Klasse, gleiches Geschlecht, vergleichbarer sozioökonomischer Status; mittlerer IQ ≈ 102; n = 136) gezogen. Ein Jahr später wurden HB/DB sowie deren Väter, Mütter, Lehrkräfte befragt. 1994 erfolgte eine erneute Untersuchung/Befragung der HB/DB (9. Schuljahr) sowie ihrer Mütter, Väter, Lehrkräfte. 1994 wurden zwei weitere Stichproben aus den «neuen» Bundesländern gezogen (9. Klassen; Erhebung der gleichen Variablen wie bei den HB/DB): Zielgruppe HL (jahrgangsstufenbeste Gymnasiasten, n = 118), Vergleichsgruppe DL (durchschnittlich leistende Gymnasiasten, n = 112). Etwa alle drei Jahre folgten weitere (postalische) Befragungen der vier Gruppen. Das M. ist noch nicht abgeschlossen. In vielen «intelligenzferneren» Variablen unterschieden sich HB/HL im Mittel nur wenig von DB/DL. Wenn erwähnenswerte Mittelwertsdifferenzen objektiviert wurden, fielen sie mehrheitlich zugunsten der HB/HL aus. Nach den Ergebnissen des M. sind HB/HL keine Risikopopulationen. Nach vielen Jahrzehnten wurden also die schon von Terman berichteten Befunde (Genetic Studies of Genius) im Wesentlichen bestätigt. Study of Mathematically Precocious Youth (SMPY).

Referenzen und vertiefende Literatur

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