Maskierung

 

(= M.) [engl. masking], [KOG, WA], bedeutet, die (bewusste) Wahrnehmbarkeit eines zu maskierenden Reizes (= Target) durch die vorangehende (= forward masking), gleichzeitige (= simultaneous masking) und/oder nachfolgende (= backward masking; sowohl vorangehende als auch nachfolgende M. = sandwich masking) Präsentation mind. eines anderen Reizes zu reduzieren oder zu eliminieren. Ziel ist es meist, die zu maskierenden Reize (z. B. Wörter, geometrische Figuren, Bilder, Farben etc.) subliminal (subliminale Reize), also unter der Schwelle der bewussten Wahrnehmung, zu präsentieren. Der zu maskierende Reiz kann meist nur sehr kurz (oft nur wenige Millisekunden) präsentiert werden. Hierbei haben sowohl zeitliche, räumliche, identitäts- und intensitätsbezogene Parameter des M.reizes und des zu maskierenden Reizes und deren Beziehung zueinander, daneben aufgabenspezifische Aspekte, Bekanntheitsgrad und Salienz der Reize, Aufmerksamkeit, Wahrnehmungsbedingungen und auch interindividuelle Unterschiede einen Einfluss auf die Stärke der M. M. ist bei Reizen versch. Sinnesmodalitäten möglich, am bekanntesten sind M. visueller und auditiver Reize. Bei einer Typ-A-M. steigt die Erkennbarkeit des zu maskierenden Reizes tyischerweise monoton mit größer werdendem Intervall zw. zu maskierendem Reiz und Maske an. Bei einer Typ-B-M. ist die geringste Wahrnehmbarkeit bei mittleren Zeitintervallen zw. zu maskierendem Reiz und Maske gegeben. M. kann sowohl zentral (zu maskierender Reiz und Maske monokular/monaural auf gleichem Auge/Ohr oder binokular/binaural auf beiden Augen/Ohren) als auch peripher (zu maskierender Reiz und Maske auf versch. Augen/Ohren = dichoptisches Sehen/dichotisches Hören; Stereoskop) erfolgen. Zu unterscheiden ist auch, ob die Reize bei visueller M. foveal oder parafoveal präsentiert werden. Im auditiven Bereich werden häufig vor, während und nach dem zu maskierenden Reiz weißes oder rosa Rauschen oder auch zeitlich komprimierte und rückwärts abgespielte, gesprochene Wörter eingespielt.

Im visuellen Bereich gibt es inzw. verschiedenste M.sarten. Eine M. auf sehr frühen Verarbeitungsstufen (d. h. retinal) erfolgt durch einfache heller oder dunkler werdende großflächige Lichtreize, die nach dem zu maskierenden Reiz eingeblendet werden (= Licht-M.). Typischerweise sind Energy-Masken solche Lichtblitze, wobei diverse andere M.arten Energy-M. sein können, nämlich immer dann, wenn die Energie der Maske die Energie des zu maskierenden Reizes übersteigt. Die meisten M.arten wirken dagegen auf höheren, kortikalen Verarbeitungsstufen. M. durch visuelles Rauschen (visual noise) wird meist durch zufällig angeordnete Punkte oder Pixel realisiert. I. Ggs. dazu besteht eine Strukturmaske aus Strukturen – meist Elementen, die auch im zu maskierenden Reiz enthalten sind (z. B. bei Buchstaben, die maskiert werden sollen, enthält die Maske ebenfalls Buchstaben oder zumindest Striche und Rundungen). Rausch- und Struktur-M. sind Varianten von Pattern-M. (Muster-M.), wobei der Begriff Pattern-M. oft exklusiv für Struktur-M. verwendet wird. Bei Pattern-M. überdeckt die Maske den zu maskierenden Reiz räumlich. Bei Kontur-M. (auch Kontrast-M.) ist dies typischerweise nicht der Fall, d. h. bei Kontur-M. überlappen Maske und zu maskierender Reiz räumlich nicht, sondern hier entspricht bspw. die äußere Kontur des zu maskierenden Reizes der inneren Kontur der Maske. Wenn eine Kontur-Maske vor dem zu maskierenden Reiz präsentiert wird, nennt man dies Parakontrast-M., wird die Kontur-Maske danach präsentiert, handelt es sich um Metakontrast-M.

In den letzten Jahren wurden weitere M.arten entwickelt. Ein Bsp. für eine Objekt-M. ist die Vier-Punkt-M., bei der vier im Rechteck angeordnete Punkte den zu maskierenden Reiz umgeben. Für eine wirksame M. darf jedoch die Aufmerksamkeit vorher nicht auf den Ort des zu maskierenden Reizes gerichtet sein. Ein Bsp. für eine simultane M. ist die Spiegel-M., bei der die Maske eine vertikale Spiegelung des zu maskierenden Reizes (meist ein Wort) ist. Bei der Methode der mehrfach wiederholten M. werden Pattern-Maske und zu maskierender Reiz in schneller Abfolge und mehrfach abwechselnd präsentiert. Hierdurch entsteht eine insges. längere Präsentationszeit des zu maskierenden Reizes, sodass die Präsentationsdauer zu derjenigen bei typischer supraliminaler Reizdarbietung vergleichbar wird. Das gleiche gilt für (1) die wiederholte Metakontrast-M., bei der jede Maske wiederum ein zu maskierender Reiz ist, wobei die Maskengröße mit zunehmender Maskierungsdauer zunimmt, (2) die Standing-Wave-M., bei der Para- und Metakontrast kombiniert und Maske und zu maskierender Reiz in schnellem Wechsel präsentiert werden (= ein zentraler Flicker-Balken wird von zwei flankierenden Flicker-Balken maskiert), und (3) die Figur-Grund-Wechsel-M., bei der Vorder- und Hintergrundfarbe (eines Wortes) in schnellem Wechsel und mehrmals nacheinander ausgetauscht werden.

Um nachzuweisen, dass eine best. M. erfolgreich die Sichtbarkeit oder Wahrnehmbarkeit des zu maskierenden Reizes reduziert oder eliminiert, werden direkte Tests eingesetzt (vgl. subj. und obj. Wahrnehmungsschwellen). Meist werden daraus signalentdeckungstheoret. Parameter (Signalentdeckungstheorie) errechnet, die Anhaltspunkte über das indiv. Maß an Wahrnehmbarkeit der zu maskierenden Reize geben. M. wird vor allem eingesetzt, um den zeitlichen Verlauf der (visuellen oder auditiven etc.) Informationsverarbeitung und Fragen zum Bewusstsein zu erforschen oder um in anderen Paradigmen (z. B. Priming) strategische Effekte auszuschließen. Während die genauen Mechanismen, die versch. M.arten zugrunde liegen, noch immer diskutiert werden, geht man insges. davon aus, dass M. durch einerseits/entweder Integration von zu maskierendem Reiz und M.reiz, daneben und andererseits/oder Interruption/Interferenz der Verarbeitung des zu maskierenden Reizes durch den M.reiz auf etwas späteren Verarbeitungsstufen zustande kommt.

Verwendete Literatur

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