Mediengewalt

 

(= M.) [engl. media violence], [MD, SOZ], bez. die Darstellung realer oder fiktionaler Handlungen, die mit der körperlichen Schädigung anderer Lebewesen einhergehen, in Filmen, Fernsehsendungen, Computerspielen, Musik(-videos), Büchern, Comics, und anderen medialen Informations- oder Unterhaltungsangeboten. Neben motivationalen Aspekten (Motivation) der Nutzung von M. zu Unterhaltungszwecken beschäftigen sich Psychologen v. a. mit der Frage nach dem Zus.hang des Konsums von M. und Aggression. Diese wird in der Öffentlichkeit wie Wissenschaft mitunter hitzig diskutiert (Bushman, Anderson, 2015; Elson & Ferguson, 2014). Zur Wirkrichtung gibt es zwei mögliche Hypothesen: Vertreter der Selektionshypothese gehen davon aus, dass Menschen mit einer größeren Neigung zur Aggression eine ausgeprägte Präferenz für M. haben. Die Sozialisationshypothese – die unter Wirkungsforschern deutlich mehr Aufmerksamkeit generiert hat – besagt, dass der regelmäßige Konsum von M. nachhaltig Aggressivität fördert. Zugrunde liegende Theorien dieser Hypothese sind das Lernen am Modell sowie das Assoziationslernen (Assoziationstheorie) bei der (wiederholten) Beobachtung von M. Typischerweise wird die (kurzfristige) Wirkung von M. in Laborexp. untersucht, in denen man Vpn randomisiert Medienstimuli mit oder ohne M. aussetzt und sie anschließend hinsichtlich ihrer Merkmalsausprägungen in Tests für Aggression vergleicht (randomisierte kontrollierte Studie). In vielen dieser Studien wird im Mittel ein kleiner, aber messbarer Einfluss auf Aggression gefunden. Jedoch sind diese Laborprozeduren und Messinstrumente für Aggression unter Psychologen nicht unumstritten und stehen bes. für mangelnde Standardisierung der Durchführung und intransparente Flexibilität der Auswertung sowie unzureichende Evidenz für ihre Tauglichkeit, alltägliche oder realweltliche Aggression zu erklären und vorherzusagen, in der Kritik. In Längsschnittuntersuchungen mit regelmäßigen Befragungen werden der Konsum von M. und aggressive Verhaltensweisen im Entwicklungsverlauf betrachtet. Zwar berichten nahezu alle Studien eine Korrelation zw. M. und Aggression, sie divergieren aber hinsichtlich der Größe dieses Zus.hangs und auch seiner Ursache im Längsschnitt, die manchmal eher auf einen Sozialisationseffekt, manchmal auf einen Selektionseffekt zurückgeführt wird. Die meth. Unzulänglichkeiten und partielle Heterogenität der Befundlage spiegeln sich auch in Meta-Analysen zum Zus.hang von M. und Aggression wider. Auch hier findet man Unterschiede bzgl. der berichteten mittleren Größe des Sozialisationseffekts, aber auch in den Inklusions- und Bewertungskriterien empir. Studien, der Identifikation von relevanten Drittvariablen (und deren Berücksichtigung in Analysen), der Korrektur für publication bias, und schließlich auch der Synthese der Empirie und deren praktischer Implikationen. Aus diesen Gründen wäre eine eindeutige Schlussfolgerung zugunsten einer Hypothese zu diesem Zeitpunkt voreilig. Dass es einen Zus.hang zw. M. und Aggression gibt, gilt als bestätigt – die Literatur muss jedoch hinsichtlich Beschaffenheit dieses Zus.hangs und der Richtung und Größe kausaler Wirkmechanismen als inkonklusiv bewertet werden.

[Anm. des Hrsg.: Der Beitrag Gewaltdarstellung, mediale behandelt dieselbe Thematik. Da dieser aber zu einer leicht anderen Einschätzung der Befundlage gelangt, wurden beide Beiträge im Lexikon beibehalten.]

Referenzen und vertiefende Literatur

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