Mediennutzungsforschung

 

(= M.) [engl. media use research/media appropriation], [MD, SOZ], in Abgrenzung zur Medienwirkungensforschung, die sich mit postrezeptiven Effekten der Nutzung von Medienangeboten in Bezug auf Einstellungen und Verhalten von Rezipienten beschäftigt, setzt die M. in den Phasen der Rezeption selbst sowie prärezeptiv an (Medienrezeption). Damit umfasst die M. einen weiten Beobachtungsbereich, der definitorisch den reinen Kontakt mit Medien (Publikumsforschung), die Rezeptionssituation selbst, selektive und motivationale Aspekte der Nutzung konkreter Medieninhalte sowie die Aneignung von Medien in den Alltag der Nutzer charakterisieren kann. Die Ausrichtung der M. ist stark durch gesellschaftstheoretische Kontexte geprägt. So ist insbes. die Aneignung von Medien und Medieninhalten in den britischen Cultural Studies Gegenstand von Modellierungen geworden, die die Integration von Medien in den Alltag als gesellschaftskonstituierend darstellen und gesellschaftliche Faktoren sowie nutzerabhängige Bedeutungszuweisungen zu Medieninhalten für ursächlich in Anbetracht möglicher Medienwirkungen halten. Die M. geht i. d. R. von einer aktiven Nutzung und Aneignung von Medien und Medieninhalten aus. Unter motivationalen Aspekten der Mediennutzung ist diesbezüglich die Uses-and-Gratifications-Theorie als einflussreiche Ansatzfamilie zu nennen. Die M. greift im Zuge der Erklärung von indiv. Mediennutzungsmotiven heute auf eine Vielzahl persönlichkeits- und sozialpsychol. Ansätze zurück. Modelle wie die Mood-Management-Theorie oder die Theorie kognitiver Dissonanz finden sich zur Begründung der Medienauswahl oder der Medienvermeidung von Nutzern. Die neuere Forschung sucht teils eine stärkere Verbindung zu einzelnen Effektgrößen, also den Auswirkungen der Mediennutzung. Im Zuge der Kritik an einer Überschätzung der Aktivität der Mediennutzer haben kontextbasierte Modellierungen der M. an Einfluss gewonnen, die stärker unbewusste Medienzuwendung und die soziale Einbettung der Mediennutzung thematisieren. Wissenschaftskommunikation.

Referenzen und vertiefende Literatur

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