Medienrezeption

 

(= M.) [engl. media reception; lat. recipere aufnehmen], [KOG, MD], M. beschreibt Phänomene, die mit dem Kontakt von Menschen mit Medienangeboten verbunden sind. Dabei ist es unerheblich, ob diesem Kontakt eine aktive Selektion vorausging oder ob er passiv – quasi zufällig – zustande kam. Die Rezeptionsforschung untersucht die entspr. Phänomene mit zwei Fokussen: Die Rezeptionsforschung i. e. S. analysiert den direkten Kontakt mit Medieninhalten und insofern den eigentlichen Rezeptionsakt sowie Phänomene, die dem unmittelbar vorausgehen bzw. unmittelbar folgen. Erklärt werden die Auswahl von und Zuwendung zu Medieninhalten, deren Verarbeitung und Aneignung sowie deren kurzfristige Auswirkungen. Die Selektion von Medieninhalten wird entweder allg. durch persönliche Merkmale (z. B. Genrepräferenzen), durch situative Merkmale (z. B. Rezeption allein oder in Gruppe) oder durch spez. Einflüsse wie Stimmungen (Mood-Management-Theorie), Einstellungen (kognitive Dissonanz) oder Motive (Uses-and-Gratifications-Theorie) beeinflusst. Während der Rezeption stehen indiv. sowie situative Aspekte im Zentrum. Auf der indiv. Ebene geht es um die kogn. (Kognition), emot. (Emotionen) und konativen Prozesse während der Mediennutzung. Die kogn. Rezeption betrifft Prozesse der Wahrnehmung und Verarbeitung medialer Angebote und findet im Wechselspiel zw. Bottom-up-Aktivierung vorhandener Wissensbestände und Top-down-Anwendung vorhandener Wissensbestände auf das Medienangebot statt. Die emot. Rezeption beschreibt, wie Erregung und Gefühle wie z. B. Angst, Stolz, Ekel, Spannung etc. durch Medienangebote entstehen und wie diese die weitere Rezeption beeinflussen. Konative Prozesse bestehen aus Handlungen, die während der M. ausgeführt werden, insbes. Selektionshandlungen, z. B. das Umschalten beim Fernsehkonsum oder das Surfen im Internet. Auf der situativen Ebene steht die Integration der Mediennutzung in den Alltag, oft als Medienaneignung bezeichnet, sowie die soziale Interaktion während der Mediennutzung mit den Medienfiguren (parasoziale Interaktion) mit anderen Anwesenden oder auch durch Medien vermittelt mit Nichtanwesenden. Komplexe Rezeptionsansätze verbinden die drei Dimensionen (z. B. Affective Disposition oder Unterhaltung). Nach der eigentlichen Rezeption werden vor allem kogn. und emot. Effekte untersucht; kogn. Effekte entstehen z. B. durch Priming oder Framing, emot. Effekte betreffen z. B. Erregungszustände (excitation transfer) oder Stimmung (Mood Management; im Überblick Wünsch et al., 2014). Die Rezeptionsforschung i. w. S. untersucht alle Phänomene, die mit der Nutzung von Medieninhalten zus.hängen, sie wird dann auch oft als Publikumsforschung bezeichnet. Die akademische Mediennutzungsforschung erklärt, welche Personen in welchen Situationen typischerweise welche Medien und Medienangebote nutzen. Die kommerzielle Mediaforschung untersucht demgegenüber die Verbreitung und Reichweite – insbes. Werbetragender – Medienangebote. Die Mediennutzungsforschung nimmt die mittel- und langfristigen Effekte in den Blick, die die Mediennutzung auf den einzelnen Nutzer (z. B. Lernen am Modell oder Kultivierungsforschung) oder die Gesellschaft (z. B. Agenda-Setting, Wissenskluft, Third-Person-Effekt) hat (im Überblick Schweiger & Fahr, 2013).

Referenzen und vertiefende Literatur

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