Merkmalsintegrationstheorie

 

(= M.) [engl. feature-integration theory], [KOG, WA], eine Theorie der Objektwahrnehmung, die sich v. a. mit der Rolle der Aufmerksamkeit bei der visuellen Wahrnehmung von Objekten und ihren Merkmalen beschäftigt. Im Hinblick auf die bei der Objektwahrnehmung beteiligten Strukturen unterscheidet die Theorie zw. Karten für alle möglichen visuellen Objektmerkmale [engl. feature maps] und einer Generalkarte [engl. master map of locations]. Die retinotop organisierten Merkmalskarten kodieren die Anwesenheit von Objektmerkmalen an ihren Positionen, während die Generalkarte zur Steuerung der Aufmerksamkeit dient. Außerdem unterscheidet die Theorie zw. einer präattentionalen und einer attentionalen Verarbeitungsstufe. Auf der präattentionalen Stufe werden alle Objektmerkmale ohne Aufmerksamkeit parallel verarbeitet und in den Merkmalskarten kodiert. Auf dieser Stufe wird wahrgenommen, welche Merkmale im visuellen Feld vorhanden sind, aber nicht, welche Merkmale zum selben Objekt gehören. Ein Objekt, das sich in nur einem Merkmal von den übrigen Objekten im visuellen Feld unterscheidet (Merkmalssuche) kann bereits auf der präattentionalen Stufe entdeckt werden, da die singuläre Aktivierung in einer Merkmalskarte unmittelbar registriert wird (Pop-out-Effekt). Auf der attentionalen Stufe sorgt die Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf eine best. Position in der Generalkarte zur Bildung einer Objektrepräsentation, indem die Informationen über einzelne Objektmerkmale an korrespondierenden Positionen in den Merkmalskarten integriert (gebunden) werden. Ein Objekt, das sich in einer Merkmalskombination von den übrigen Objekten im visuellen Feld unterscheidet (Konjunktionssuche), kann deshalb erst auf der attentionalen Stufe (mithilfe der visuell-selektiven Aufmerksamkeit) gefunden werden. Die M. erklärt viele empirische Daten aus der Forschung zur visuellen Suche und hat die Entdeckung neuer Phänomene (z. B. illusorische Konjunktionen) ermöglicht. Sie hat sich als ausgesprochen fruchtbar für die empir. Forschung erwiesen. Kritisiert wurde u. a. die starke Polarisierung von paralleler Merkmalssuche und serieller Konjunktionssuche, was zur Formulierung alternativer Theorien (z. B. Theorie der geführten Suche; visuelle Suche) geführt hat.

Referenzen und vertiefende Literatur

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