Metapher

 

(= M.) [engl. metaphor; gr. μετά (meta) zwischen-, mit-, φέρειν (pherein) tragen], [KOG], stellt eine den Tropen zugehörende figurative Sprachform dar, bei der das wörtlich Geäußerte nicht mit dem Gemeinten übereinstimmt. Die Relation zw. Geäußertem und Gemeintem wird dabei häufig als eine Ähnlichkeitsrelation beschrieben. Die Ps. beschäftigt sich verstärkt seit etwa den 1970er-Jahren mit der Interpretation und Verarbeitung von M. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie es dem Hörer gelingt, das eigentlich Gemeinte zu verstehen. Dabei ist zunächst danach gefragt worden, wie das metaphorisch Gemeinte rekonstruiert und interpretiert wird. Die Theoriebildung erfolgt hier mehr oder minder explizit unter Rückgriff auf drei große klassische Theorietraditionen: die Substitutionstheorie und Vergleichstheorie der klassischen Rhetorik sowie die im 20. Jhd. von Richards & Black aufgestellte Interaktionstheorie. Während es noch relativ unstrittig ist, dass man Metaphern als Relation zw. einem Tenor (bildempfangener Bereich) und einem Vehikel (bildspendender Bereich) beschreiben kann und dass das Vehikel für die Verarbeitung eine wichtigere Rolle spielt als der Tenor, unterscheiden sich die theoretischen Modelle vor allem darin, welche Relationen und Korrespondenzen zw. Tenor und Vehikel im Verstehensprozess (Textverständlichkeit) angenommen werden. Einige Theorien postulieren einen auf Ähnlichkeit oder Salienz basierenden Merkmals- oder Attributenvergleich, für andere ist der Grad der Unähnlichkeit der semantischen Bereiche, aus denen die beiden Terme stammen, entscheidend für die Rekonstruktion der metaphorischen Bedeutung; und noch andere konzipieren die Relation von Topik und Vehikel als Klassen-Inklusion oder als Struktur-Vergleich. Alle Theorien können empirische Belege für die jeweiligen Behauptungen erbringen – keine Theorie kann aber alle Typen von M. erklären.

Außerdem hat das Problem des Verarbeitungsaufwandes beim Verstehen von M. Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Werden M. genauso schnell verarbeitet wie nicht metaphorische Äußerungen, oder erfordert ihre Rekonstruktion eine bes. kogn. Leistung? Das klassische pragmalinguistische Standardmodell figurativer Sprache geht davon aus, dass beim Verstehen figurativer Sprache notwendigerweise zuerst die wörtliche Bedeutung rezipiert (und verworfen) wird, bevor die figurative Bedeutung (re-)konstruiert werden kann. Im Unterschied dazu postuliert der radikal-pragmatische Theorieansatz, dass das Konzept der wörtlichen Bedeutung für die wiss. Erklärung figurativer Sprachverarbeitung überflüssig und unbrauchbar ist, da die figurative Bedeutung unmittelbar und direkt ohne Umweg über die wörtliche Bedeutung verstanden wird (Modell des direkten Zugangs). Eine partielle Auflösung dieser Kontroverse einschließlich der heterogenen empirischen Befundlage bietet die gestufte Salienz-Hypothese (von Giora), nach der sowohl das Verstehen figurativer als auch das Verstehen nicht figurativer Sprache einem allg. Salienz-Prinzip unterliegen: Saliente Bedeutungen werden zuerst verarbeitet, und zwar unabhängig davon, ob es sich dabei um eine wörtliche oder eine figurative Bedeutungskomponente handelt. Demnach spielt der Grad der Konventionalität einer Äußerung eine entscheidende Rolle für den erforderlichen Verarbeitungsaufwand. Konventionelle M. werden direkt verarbeitet und erfordern keinen höheren Verarbeitungsaufwand; bei unkonventionellen M. wird hingegen zunächst die (saliente) wörtliche Bedeutung aktiviert, was durch die anschließende Rekonstruktion der figurativen Bedeutung einen höheren Verarbeitungsaufwand impliziert. Die bisherige empir. Forschung zum Verstehen von M. ist allerdings eindeutig kognitionslastig (Kognition), denn sie hat sich fast ausschließlich auf die kogn. Seite der Verarbeitung konzentriert. Damit wird nur die Hälfte der relevanten Verarbeitungsprozesse erfasst; die andere Hälfte ist die emot.-ästhetische Verarbeitung, die bisher in der Forschung sowohl theoretisch wie empir. unzureichend berücksichtigt worden ist.

Von den vielfältigen Funktionen der M. sind insbes. die kogn. Funktion in päd. sowie die expressive und sozial-regulative Funktion in therapeutischen Settings analysiert worden. M. werden einerseits als didaktische Mittel eingesetzt, um unvertrautes Wissen und neue Perspektiven zu vermitteln, Problemlöseprozesse und den Aufbau mentaler Modelle zu erleichtern sowie die Aufmerksamkeit zu steuern. Sie werden andererseits zur Herstellung von Vertrautheit und Intimität im interpersonalen Kontext sowie für das Verständlichmachen emot. Zustände und Selbsterklärungen im therap. Kontext genutzt. Metapher-Framing.

Referenzen und vertiefende Literatur

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