Metapher-Framing

 

(= MF) [engl. metaphor framing; engl. framing Rahmung], [KOG]Metaphern (= M.) sind nicht nur ein Ornament der Sprache, sondern sie können unser Denken, unsere Einstellungen und unser Handeln beeinflussen. Dies ist nach der M.theorie von Lakoff und Johnson (1980) möglich, weil wir beim Verstehen einer M. wie z. B. «Eine Theorie ist ein Kartenhaus» das (Ziel-)Konzept (Theorie) im Lichte eines anderen (Quell-)Konzepts  (Kartenhaus) sehen. Dabei wird das Wissen aus einem (häufig konkreteren) Bereich genutzt, um einen anderen (abstrakteren) Bereich besser zu verstehen. Dies geschieht indem Merkmale, Attribute oder Strukturen vom Quell- auf den Zielbereich übertragen werden. Die M. wirkt damit als Deutungsrahmen oder frame, der unsere Interpretation von Wirklichkeit leitet, indem best. Aspekte hervorgehoben, andere unterdrückt werden (Entmann, 1993, 15). Dieses Phänomen hat zuerst Robins (1996) als Metaphern-Framing bez. Es wird angenommen, dass M. das Verstehen eines Textes/Sachverhalts rahmen, indem sie Bewertungen und Inferenzen nahelegen, Interpretationsmuster bereitstellen, Emotionen und Stimmungen evozieren und als Folge UrteileEntscheidungen und Handlungen beeinflussen.

Im Mittelpunkt der psychol.-empirischen Forschung zu MF steht die Frage, ob und unter welchen Bedingungen M. tatsächlich als Frame wirksam werden und die Macht haben, Einstellungen und Verhalten zu beeinflussen. MF wurde bislang in folg. Bereichen untersucht (Thibodeau et al., 2017): politische Einflussnahme, Umweltprobleme, Klimawandel, Preisentwicklung an der Börse, Gesundheit, Krankheit, Kriminalität, Migration, Personenbeurteilung. Beim klass. Untersuchungsparadigma werden i. d. R. kurze Texte vorgegeben, die inhaltlich identisch sind und sich nur hinsichtlich der Verwendung eines sprachlichen Bildes (metaphorisch vs. nicht metaphorisch) unterscheiden. Als abhängige Variable werden u. a. die kogn. und emotionale Einstellung, Problemlösungen, personenbezogene Inferenzen und auch Spendenbereitschaft untersucht. Ein MF-Effekt ist in solchen Studien zwar nicht durchgängig zu beobachten, aber man konnte Bedingungen identifizieren, unter denen er bevorzugt auftritt. Das ist insbes. dann der Fall, wenn die M. in Textanfangsposition erscheint, wenn die Pbn wenig Vorwissen und noch keine festen Überzeugungen im jew. Gegenstandsbereich haben und wenn die Thematik eher komplex und abstrakt ist (Thibodeau et al., 2017). Die zukünftige Forschung wird diese Bedingungen noch weiter empirisch erhärten und ausdifferenzieren müssen sowie weitere Einflussgrößen zu identifizieren haben. Dazu gehört insbes. die Frage, welche Rolle Emotionen beim Auftreten von MF-Effekten spielen und ob die mit M. verbundenen Emotionen im Verarbeitungsprozess eine Mediatorfunktion (Mediatorvariable) besitzen. Desgleichen ist zu klären, welche Qualitäten M. aufweisen müssen, um den Effekt auszulösen, und wie intensiv der Quellbereich im Rezeptionsprozess erschlossen werden muss.

Da dem inhaltlichen Vorwissen der Rezipienten eine entscheidende Moderatorfunktion (Moderatorvariable) zukommt, ist die Forschung zu MF nicht nur von theoret., sondern auch gerade für den Bereich der politischen Bildung und Aufklärung von praktischer Relevanz. Denn MF kann emanzipatorisch genutzt werden, um auf best. Probleme aufmerksam zu machen, es kann aber auch zu manipulativen Zwecken missbraucht werden. Insges. kann MF als wichtiges Werkzeug der Meinungsbildung in allen sozialen und öffentlichen Bereichen eingesetzt werden. Es überrascht daher nicht, dass das Konzept insbes. auch im politischen Diskurs und im Medienkontext weite Verbreitung gefunden hat (Boeynaems et al., 2017).

Referenzen und vertiefende Literatur

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