Misserfolg, psychotherapeutischer

 

(= p. M.) [engl. psychotherapeutic failure], [KLI], die Frage von Erfolg bzw. M. von Psychotherapie hängt ganz eng mit der Frage von Kriterien der Veränderung (therapeutische Veränderung) zus. Dies ist für den Aspekt von Erfolg nicht einfach zu bestimmen, noch schwieriger ist es anzugeben, wann von einem p. M. gesprochen werden kann, weil eine echte Kausalität kaum nachzuweisen ist. Ausgangspunkt der Betrachtungen zum Thema p. M. sind empirische Befunde, wonach Psychoth. i. d. R. eine Erweiterung der Varianz im Erleben und Verhalten von Pat. bewirkt: Viele Betroffene profitieren von der Intervention, eine Reihe von Personen bleibt hinsichtlich der Zielvariablen weitgehend unverändert, bei einigen Personen stellt sich allerdings auch eine Verschlechterung ein.

Spätestens seit den 1980er-Jahren wurden versch. Differenzierungen hinsichtlich des Themas p. M. vorgebracht, demnach ist es sinnvoll zu unterscheiden in (1) Therapie-Verweigerung: Darunter sind Personen zu fassen, die sich nach der Phase der Diagnostik und Aufklärung über das therap. Vorgehen gegen eine Therapie entscheiden. Nach versch. Studien bei Angststörungen betrifft dies 5 bis 25 % der Pat. In einem solchen Fall kann man auch von Behandlungsablehnung sprechen. (2) Abbrecher (Dropout): Hierunter sind Pat. zu verstehen, die an einem therap. Prozess teilnehmen, diesen aber vor dem Erreichen der vereinbarten Ziele abbrechen. Die Raten für den Abbruch werden in versch. Studien mit 0 bis ca. 20 % angegeben. (3) Wenn Pat. nicht im angestrebten Ausmaß auf ein im Prinzip indiziertes Verfahren reagieren, spricht man von Nicht-Reagierern (Non-Responder). Unterscheiden sollte man hier zw. technischen Fehlern (Mängel in der Diagnostik, in der korrekten Durchführung des Verfahrens oder auch in der Vorbereitung und korrekten Aufklärung des Pat.). Davon zu trennen sind sog. echte Behandlungsfehler (p. M. i. e. S.): Gemeint sind damit Fälle, bei denen ein Verfahren korrekt angewendet wurde, ein vorher vereinbartes Behandlungsziel jedoch nicht erreicht werden konnte. Die angegebenen Häufigkeiten variieren hier insbes. mit den Störungen, bewegen sich im Bereich von 20 bis 50 %. (4) Rückfälle: Darunter sind jene Pat. zu verstehen, bei denen im Verlauf der Behandlung zwar eine signifikante und auch klin. relevante Verbesserung erreicht werden konnte, diese aber sich entweder zeitlich (zumeist werden Zeiträume von sechs Monaten bis zwei Jahren angegeben) oder situational (z. B. für das häusliche oder berufliche Setting) nicht als stabil erweist. In sehr vielen Studien fehlen Angaben zu Rückfällen, weil zumeist auch Angaben zu Katamnesen fehlen. Als Gründe für Rückfälle werden oft neu aufgetretene Belastungen und spezif. Stressbedingungen (Stress) genannt. Es ist als ein Reifezeichen der Psychoth. anzusehen, dass das Thema des p. M. heute sehr ernsthaft und differenziert diskutiert wird. Gerade p. M. i. e. S. bildet eine Herausforderung auch für die Theorienbildung und für die weitere Entwicklung von wirksamen therap. Strategien. Wenn in den obigen Ausführungen vier unterschiedliche Aspekte von p. M. unterschieden wurden, sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass nur ein ganz geringer Prozentsatz von Betroffenen zur Psychoth. gelangt. Ob dieser Filter im Zugang zur Psychoth. auch als Aspekt von p. M. zu sehen ist (z. B. hinsichtlich der Frage von Informationen bzgl. Psychoth. oder von Problemen bzgl. der Schwelle zur Therapie), könnte durchaus diskutiert werden.

Verwendete Literatur

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