Mobbing, schulisches

 

(= s.M.) [engl. school mobbing], Mobbing, [SOZ, PÄD], der Missbrauch sozialer Macht, ist eine proaktive Form der Aggression, die eingesetzt wird, um Dominanz in der Schulklasse zu erlangen und zu erhalten. M. wird vor allem dort möglich, wo starre Strukturen (Schulklasse) ein Entweichen des Opfers erschweren, die Struktur des sozialen Kontexts (Schule) hierarchisch konzipiert ist und die Einhaltung der sozialen Regeln nicht konsistent beachtet sowie Verstöße nicht konsequent sanktioniert werden. Ein physisch oder psych. schwächeres Opfer wird vom soziokognitiv oft sehr kompetenten Täter ausgewählt und die sozialen Normen der Klasse so geschickt manipuliert, dass eine Polarisierung der Klasse die Einstellungen gegenüber dem Opfer sukzessive so verändert, dass die Reaktionen des Opfers mehr Ablehnung durch die Peers provozieren als die Aggression des Täters. Immer mehr Peers machen mit, weil Prozesse wie Verantwortungsdiffussion dieses erleichtern und Aussenstehende ihre verstärkende Rolle bei den aggressiven Attacken verkennen (Garandeau & Cillessen, 2006). Obwohl die Dominanz häufig durch den Einsatz coersiver (zwingender) Strategien erreicht wird, sind prosoziale Dominanzstrategien (prosoziales Verhalten) die Ressource, die Täter mit zunehmendem Alter verstärkt zum Erhalt ihrer Machtposition in der Klasse einsetzen, was nicht zu Beliebtheit, aber zu hoher wahrgenommener Popularität unter den Peers (Peergroup) führt. Besonders das Drittel aller Täter, die coersive und prosoziale Strategien gleichermaßen einsetzen (Bistrategen), wird deshalb auch von Lehren oft im destruktiven Tun gegenüber den Opfern verkannt, die ihrerseits kurzfristige, aber auch langfristige psychosoziale Folgen tragen müssen, die gerade im Schulalltag nicht selten als Ursache von M. missinterpretiert wird. Psychosomatische Beschwerden, Schlafstörungen, sozialer Rückzug und Schulvermeidung während der akuten M.erfahrung werden von M.opfern später als bleibende erhöhte emot. Einsamkeit sowie ein schlechteres Selbstbild von sich und anderen berichtet. M., das in der Grundschulzeit weniger stabil, aber verbreitet auftritt, erlebt in der weiterführenden Schule einer von sieben Schülern, wobei sich einer von zwei M.fällen über ein Schuljahr, oft aber deutlich länger, stabilisiert. Langfristige Folgen von s.M. sind deshalb eher bei M. nach der Grundschulphase oder aber kontinuierlichen M.erfahrungen über die ganze Schulzeit zu erwarten. Interventionen zeigen Potenzial, wenn sie die Struktur (whole school approach), die Invalidierung der Dominanzerwartung (konsequente Sanktionen für die Täter) und eine Stärkung der sozialen Normen zw. Peers integrieren (Schäfer, 2012). Bullying.

Referenzen und vertiefende Literatur

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