Modell ehelicher Stabilität

 

(= M.) [engl. model of marital stability], [GES, KLI], starke Auseinandersetzungen bei Beziehungsstörungen i. R. von intimen Partnerschaften und Ehen führen nicht in jedem Fall zwangsläufig zur Trennung und Scheidung, sondern können Paare zus.halten und der Problemlösung dienen. Die Theorie ehelicher Stabilität postuliert eine wechselseitige Abhängigkeit von KommunikationPsychophysiologie und Wahrnehmung (Gottman, 1994). Durch die Beobachtung der Kommunikation von Paaren wurde postuliert, dass fünf pos. wahrgenommene partnerschaftliche Interaktionen eine neg. aufwiegen. Mithilfe der Metapher Beziehungskonto kann Paaren verständlich vermittelt werden, dass ein regelmäßiges Engagement für die Beziehung notwendig ist (z. B. Küche aufräumen, schwieriges Gespräch mit Nachbarn führen, Sex mal anders).

Zu Beginn einer Partnerschaft geht i. d. R. eine als angenehm und stimulierend wahrgenommene psychophysiol. Wirkung vom Partner aus, während die Abwesenheit als aversiv erlebt wird. Diese psychophysiol. Erregungsprozesse beeinflussen auch die Wahrnehmung und die Kausalattribution. Der Partner wird idealisiert. Die Balance zw. der Kommunikation, der Physiologie und der Wahrnehmung wirkt wie ein Puffer und kann die Partnerschaftszufriedenheit lange aufrechterhalten. Durch mangelnde reziproke Verstärkung, Habituation an den vormals stimulierend angenehmen Stimulus und Enttäuschungen nach unzureichender partnerschaftlicher Problemlösung kann jedoch ein Ungleichgewicht zeitweilig so stark ausgeprägt sein, dass die Partner den anderen als aversiven Reiz erleben. Infolgedessen kann die pos. Wahrnehmung wie durch einen Kippschalter in eine neg. umschlagen. Eine Kampf-Flucht-Reaktion setzt ein, die mit einer sehr hohen psychophysiol. Erregung, insbes. bei Männern, einhergeht. In weiteren Interaktionen werden die Partner von der steigenden Negativität überflutet, was bei vielen zu einer allmählichen Distanzierung bzw. Isolierung führt. Sie sind in einem Zwangsprozess gefangen, wodurch die Partner beginnen, die Geschichte ihrer Beziehung zu überdenken und ihre Partnerschaft zu hinterfragen.

Referenzen und vertiefende Literatur

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