Moritz, Karl Philipp (auch Carl Philipp)

 

(1756–1793), [HIS], Schriftsteller des Sturm und Drang und der Aufklärung. Nach einer abgebrochenen Lehre als Hutmacher und versch. Versuchen, Schauspieler zu werden, wurde Moritz 1778 Gymnasiallehrer in Berlin. 1783 begann er mit der Veröffentlichung des «ГΝΩΘΙΣ ΑYTON [= Gnothi Sauton] oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde», das als erste ps. Zeitschrift in Dt. angesehen werden kann (Jahnke, 2005). Diese Zeitschrift bestand über zehn Jahre und brachte Selbstbeobachtungen, Berichte über Seelenerkrankungen, Weissagungen, Träume usw., allerdings nicht moralisierend, sondern an Fakten orientiert (Herrmann, 1989). 1785 und 1790 veröffentlichte Moritz den Roman Anton Reiser in vier Teilen. Moritz gab dem Roman den Untertitel Ein psychologischer Roman und ordnete ihn der Seelenkunde zu, obwohl man ihn heute der Literatur zurechnet. Der Roman hat starke autobiografische Züge; es ist der erste psychol. Roman in dt. Sprache. Ziel des Romans ist der Versuch, am Verlauf eines indiv. Bsp. die Wechselbeziehungen im Leben eines Menschen darzustellen und zu deuten. Die Arbeiten von Moritz wurden im 19. Jhd. weitgehend vergessen, jedoch im 20. Jhd. im Kontext der Psychoanalyse und der Biografieforschung v. a. durch Arno Schmidt wiederentdeckt.

Referenzen und vertiefende Literatur

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