Moscovici, Serge

 

(1925−2015) [HIS, SOZ], wurde als Srul Herş Moscovici in Rumänien geb. Moscovici wanderte nach Pogrom, Krieg und mehrjähriger Zwangsarbeit über Ungarn, Österreich und Italien nach Frankreich aus. Er lehrte in den USA, in Belgien und der Schweiz, vor allem aber in Paris, wo er mit seinem Verständnis der Soziaps. eine ganze Generation von frz. Sozialpsychologen prägte. Am Bsp. der Psychoanalyse, die in den fünfziger Jahren das Denken in Frankreich bestimmte, entwickelte Moscovici die Theorie sozialer Repräsentationen (Moscovici, 2001). Moscovici trat durch einfallsreiche gruppendynamische Experimente hervor. So geht auf ihn der Befund der Gruppenpolarisation zurück (Moscovici & Zavalloni, 1969). Der vorherrschenden Konformitätsforschung setzte Moscovici die These entgegen, dass auch Minoritäten die Chance zur Veränderung der Mehrheitsmeinung haben (Moscovici, 1979) ein. Durch Umkehrung des Asch-Paradigmas konnte Moscovici im Experiment nachweisen, dass Minderheiten die Urteile der Mehrheit nennenswert beeinflussen können. Wie auch Tajfel vertrat Moscovici die Auffassung, die dominierende amerik. Sozialps. sei nur z. T. auf Europa anwendbar, es müsse daher eine europ. Sozialps. entwickelt werden. Auch aus diesem Grund war Moscovici aktiv an der Begründung der European Association of Experimental Social Psychology (EAESP, heute EASP) beteiligt (Moscovici & Marková 2006). Hochgeehrt starb Serge Moscovici 2014 in Paris.

Verwendete Literatur

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