Motiv

 

[engl. motive; lat. movere bewegen], [EM, PER], latente Bewertungsdispositionen für Ziele und für Situationsmerkmale, die eine Zielerreichung oder Zielverfehlung erwarten lassen. Motive (= M.) beziehen sich auf Inhaltsklassen von Zielen. Sie werden als organismusseitiges Bestimmungsstück der Motivation und somit als innere Ursachen des Verhaltens angesehen. Sie haben konzeptuell Ähnlichkeit mit Instinkten, Bedürfnissen und Trieben. M. bestimmen, auf welche Zielklassen und Anreize man emot. (Emotionen) reagiert.

M. lassen sich nach unterschiedlichen Kriterien kategorisieren. Man kann M. z. B. nach biol. oder biogenen und psychol. oder soziogenen M. unterscheiden. Zu der ersten Klasse gehören z. B. Hunger, Durst und Sexualität. Die Ausprägung dieser M. ist an physiol. Prozesse gebunden und variiert intraindiv. z. B. im Verlauf eines Tages. Zu den soziogenen M. zählen z. B. Leistungsmotiv, Anschlussm. (Hoffnung auf Anschluss), Machtmotiv oder Neugierm. Obwohl auch diese M. physiol. Korrelate haben, werden sie als stabile Dispositionen (Disposition) verstanden, die interindiv. variieren. Wer i. d. S. etwa ein hohes Anschlussmotiv hat, zeichnet sich durch eine stabile Disposition aus, anschlussthematische Ziele anzustreben bzw. deren Verfehlen zu verhindern und auf anschlussthematische Anreize emot. zu reagieren.

Bei soziogenen M. lassen sich jew. eine Annähern- und eine Meidendisposition unterscheiden (Annäherungs-Vermeidungs-Konflikt, Konflikttheorie). Diese Unterscheidung ist beim Leistungsmotiv am gängigsten. Sie fand sich mit der Differenzierung zw. Hoffnung auf Erfolg und Furcht vor Misserfolg bereits im Risikowahl-Modell. Inzwischen ist diese Unterteilung auch beim Anschluss- und Machtm. zu finden. Dem Neugierm. wird häufig ein allg. Furchtm. als Meidenkomponente gegenübergestellt.

Schließlich kann man M. noch nach impliziten und expliziten M. unterteilen. Es handelt sich hierbei um zwei unabhängige M.systeme. Implizite M. entwickeln sich bereits vor der Entwicklung der Sprache (Sprachentwicklung). Sie sind unbewusst, werden durch sog. natürliche Anreize angeregt und beeinflussen spontanes Verhalten. Implizite M. sind dem Selbstbericht nicht zugänglich und können nicht durch Fragebogen sondern nur durch indirekte Verfahren wie z. B. projektive Tests gemessen werden. Dagegen sind explizite M. bewusst i. S. motivationaler Selbstbilder. Sie werden z. B. durch Anforderungen aus dem sozialen Umfeld angeregt und beeinflussen somit Reaktionen auf diese sozialen Anforderungen. Explizite M. werden durch Fragebogen gemessen.