Motivationsdiagnostik

 

(= M.) [engl. motivation diagnostics], [DIA, EM], wenn man unter Motivation die aktivierende Ausrichtung des momentanen Lebensvollzugs auf einen pos. bewerteten Zielzustand (Ziele) versteht (Rheinberg & Vollmeyer, 2019), so lässt sich M. als regelgeleitete Feststellung inter- und intraindiv. Unterschiede in dieser aktivierenden Zielausrichtung def. Anders als bei der Messung verhaltensnah definierter Gewohnheiten oder eng umschriebener Fähigkeiten zielt die M. nicht direkt auf die Verhaltensebene, sondern versucht, Faktoren zu erfassen, die dem Verhalten als Richtungs- und Antriebsgrößen zugrunde liegen. Bei diesen Faktoren kann es sich um qual. unterschiedliche Größen wie Anreize, Erwartungen, Volitionsvariablen handeln. Diese akt. Größen hängen wiederum ab von überdauernden Personmerkmalen (z. B. Motiv, Interesse) und der jew. Situation, die solche Motive anregen kann.

Bei einer erschöpfenden M. sind alle relevanten Einflussgrößen orientiert an empirisch bewährten Motivationstheorien in ihrem akt. Zusammenwirken. Dieses aufwendige Vorgehen bleibt hochbedeutsamen und konsequenzenreichen Fällen vorbehalten. Ansonsten beschränkt sich die M. auf einzelne motivationsrelevante Variablen, die im jew. Fall oder Kontext ausschlaggebend erscheinen. Rheinberg (2004) hat ein Schema zur M. vorgeschlagen, das die Variablenauswahl in regelhafter Weise leiten kann.

Eher selten finden sich Erhebungsinstrumente, mit denen sich die aktuelle Motivation in einer je gegebenen Situation erfassen lässt. Solche Verfahren werden insbes. in der exp. Forschung benötigt, wenn der Einfluss von Motivationsvariablen untersucht oder kontrolliert werden soll. Viel häufiger werden in der M. Verfahren eingesetzt, mit denen sich motivational bedeutsame Personvariablen (Persönlichkeitsmerkmal) messen lassen. Hierbei kommen standardisierte Fragebögen, projektive Verfahren (Thematischer Apperzeptionstest (TAT)), aber auch Reaktionszeiten (Impliziter Assoziationstest (IAT)) zum Einsatz. Dabei erfassen Fragebögen Handlungstendenzen, derer man sich selbst gewahr ist, also motivationale Selbstbilder bzw. explizite Motive. Projektive Tests können dagegen auch zeitüberdauernde Handlungstendenzen erfassen, über die man sich selbst nicht im Klaren sein muss (implizite Motive). Auch wenn es um das gleiche Handlungsthema, z. B. Leistung oder Macht geht, sind die impliziten Motive mit den gleichthematischen Motivfragebögen meist unkorreliert. Dieser Sachverhalt wurde zunächst als meth. Schwäche der impliziten Messverfahren (TAT, PSE) gewertet. Nachfolgend wurde dieser Punkt aber theoretisch dadurch geklärt, dass implizite und explizite Motive eine andere Genese und andere Funktionen haben und deshalb unabhängig voneinander sind (McClelland, 1999). Eine Zusammenstellung dt.sprachiger Messverfahren zur M. findet sich bei Rheinberg (2004).

Referenzen und vertiefende Literatur

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