Münsterberg, Hugo

 

(Pseudonym: Hugo Terberg) (1863–1916), [AO, HIS, PHI, WIR], Philosoph und Ps. Münsterberg entstammt einer angesehenen, jüdischen Kaufmannsfamilie. Er studiert 1882/83 in Genf und anschließend in Leipzig Med., wo er 1884 die ärztliche Vorprüfung ablegt. Durch Wundt kommt Münsterberg zur Philosophie und Ps., 1885 promoviert er in Philosophie, 1887 auch in Med. Er lässt sich als Privatdozent in Freiburg nieder (1887–1891), wo er ein privates ps. Laboratorium errichtet; dort erfolgt 1891 die Ernennung zum ao. Professor. 1892 wird der junge Münsterberg von W. James als Dozent an die Harvard University gerufen, wo er eine Professur für exp. Ps. erhält und ein ps. Laboratorium nach dem Leipziger Vorbild aufbaut. Münsterberg kehrt 1895 nach Dt. zurück, entschließt sich aber dann zur endgültigen Übersiedlung in die USA. 1904 organisiert Münsterberg einen Wissenschaftskongress zur Weltausstellung in St. Louis mit über 200 Gelehrten verschiedenster Disziplinen, 1908 wird er nach Berlin gerufen, um dort ein Amerika-Institut aufzubauen; als Austauschprof. ist er von Oktober 1910 bis September 1911 wieder in Berlin, leitet das Amerika-Institut und hält u. a. vor mehreren hundert Hörern die erste Vorlesung über Wirtschaftsps. in Dt. Münsterberg wirbt in den USA als dt. Patriot mit Reden und Veröffentlichungen für sein Heimatland. Er wird angefeindet; zur Kennzeichnung dt.freundlicher Einstellungen spricht man von Münsterbergism. 1916 ereilt den erst 53-Jährigen während einer Vorlesung der Herztod.

Von Münsterbergs großer Zahl vielseitiger Veröffentlichungen, die von Lyrik über idealistische phil. Abhandlungen, Lehrbücher und psychol. Abhandlungen bis zur Soziologie reichen, werden heute vorwiegend seine wirtschaftsps. Schriften erwähnt. Münsterberg nutzt den von Stern geprägten Begriff Psychotechnik und versteht darunter die Wissenschaft von der «praktischen Anwendung der Ps. im Dienste der Kulturaufgaben», also eine angewandte Ps. mit Einschluss von Gebieten wie Psychoth. und forensischer Ps. Durch Münsterberg wird die industrielle Psychotechnik zu einem der Felder, in denen die Ps. ihren praktischen Nutzen unter Beweis stellen kann. So führt Münsterberg z. B. versch. Versuchsreihen durch, um die Wirkungen der Anzeigenwiederholung auf die Erinnerungsleistung zu überprüfen. 1910 entwickelt Münsterberg die ersten Verfahren zur Ermittlung der Berufseignung für Straßenbahnfahrer. Daneben befasst sich Münsterberg mit Psychoth., mit der Ps. des Films und vielen anderen Themen. Mit seiner Vielseitigkeit, seinem Organisationstalent und seinem Bemühen, die Ps. als Einzelwissenschaft zu etablieren, verleiht Münsterberg der Ps. starke Impulse. – Der Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) vergibt die nach Münsterberg benannte Medaille für bes. Verdienste um die angewandte Ps.

Verwendete Literatur

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